«Es wird so getan, als ob wir Kunst machen als Hobby»

Endlich wehren sich Musiker gegen die «Geiz-ist-geil»-Mentalität, die nicht nur den Musikern, sondern auch uns Journalisten das Leben schwer macht. Unabhängig voneinander haben sich in den letzten Tagen Sina, Gimma und Sven Regener zu Wort gemeldet. Die Walliser Sängerin Sina schrieb in der Basler Zeitung:

«Mein aktuelles Nummer-eins-Album hat 30 Prozent weniger verkauft als das vorherige. Und die Zunahme bei den legalen Downloads lag bei fünf Prozent. Da stört der Umstand natürlich umso mehr, dass jeder Dritte der über 15-Jährigen gratis seinen iPod volllädt, so begierig, als ob die Tore des World Wide Web nächstens dichtgemacht würden.»

Und der deutsche Musiker Sven Regener sagte im Radiomagazin «Zündfunk»:

«Es wird so getan, als ob wir Kunst machen als Hobby. Das Rumgetrampel darauf, dass wir uncool seien, wenn wir darauf beharren, dass wir diese Werke geschaffen haben, ist im Grunde nichts anderes, als dass man uns ins Gesicht pinkelt und sagt: ‚Euer Kram ist nichts wert. Wir wollen das umsonst haben.‘ Eine Gesellschaft, die so mit ihren Künstlern umgeht, ist nichts wert.»

Heute doppelt der Bündner Rapper Gimma nach, in seinem eigenen Stil:

«Wir sind hier in der Schweiz die durchs Band Gefickten.»

Es bleibt nicht bei Wortmeldungen: Um für ihre Anliegen zu kämpfen, haben Musiker wie Bligg, Roman Camenzind, Reto Burrell, Caroline Chevin, Sina und andere jetzt den Verein Musikschaffende Schweiz gegründet.

Die spöttischen Reaktionen einer Handvoll Internet-Aktivisten, die für ungehemmtes Gratis-Kopieren im Internet einstehen, liessen nicht lange auf sich warten. Einleuchtende Argumente kamen von dieser Seite bisher keine, dafür reihenweise Trugschlüsse. So polemisiert der Blogger und Piratenpartei-Exponent David Herzog in seinem Blog mit dem hochtrabenden Titel «Substanz»:

«Sowohl Sina wie Regener möchten Einzelstücke verkaufen, so wie ein Bäcker Brötchen verkauft. (…) Anscheinend habt ihr es noch nicht realisiert: Diese Idee, dieses Geschäftsmodell ist tot, mausetot, und wird nie mehr wiederkommen. Nicht die „Piraten“ haben es getötet, sondern die Infrastruktur namens Internet. Kein Gesetz kann daran etwas ändern, ausser, das Gesetz tötet das Internet.»

In diesem Abschnitt ist so ziemlich jeder Satz nachweislich falsch:
➜ Erstens ist «die Infrastruktur namens Internet» in ihrer heutigen Form nichts Gottgegebenes. Man kann das Internet gestalten und seine Strukturen nach Belieben verändern.
➜ Wenn jetzt Leute wie David Herzog sich in der sogenannten «Piratenpartei» organisieren, um sich auf der politischen Ebene dafür einzusetzen, dass im Internet geistige Werke gratis verfügbar sind, so trifft diese Leute durchaus eine Mitschuld daran, dass die Urheber immer weniger Geld verdienen.
➜ Es gibt keine sachlichen Gründe für Herzogs pathetische Warnung, Gesetze gegen das Raubkopieren würden das Internet «töten». Schliesslich können wir längst im Internet Pizzas bestellen und Reisen buchen, gegen gutes Geld natürlich, ohne dass jemand deshalb den «Tod» des Internets beklagen würde.
➜ Schwer erträglich ist auch Herzogs Attitüde, sich als derjenige darzustellen, der als einziger kapiert hat, wie das Internet funktioniert, und Sina und Sven Regener vorzuwerfen, sie hätten selbiges «nicht realisiert». Wie wenn die Mechanismen des Internets so schwierig zu verstehen wären.
➜ Hingegen scheint Herzog die Kritik der Musiker an der Gratis-Mentalität nicht verstehen zu wollen:

«Wieso soll Freude am musikalischen Reichtum – und die Ablehnung des freiwilligen Verzichts darauf – Gier sein?»

Es sagt ja gar niemand, Freude an Musik sei Gier. So ein Blödsinn. Gier kommt nur in der Haltung von «Piraten» wie Herzog zum Ausdruck, die freies Raubkopieren fordern – wie wenn das ein Menschenrecht wäre. Wie das neue Geschäftsmodell aussehen soll, das den Musikern trotz der Gratis-Selbstbedienung im Internet den Lebensunterhalt sichern könnte, weiss natürlich auch David Herzog nicht. Schnoddrig gibt er den Urhebern den Ball zurück:

«Es liegt nicht an uns Piraten, eure Geschäftsmodelle zu entwickeln.»

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14 Antworten zu «Es wird so getan, als ob wir Kunst machen als Hobby»

  1. mbutscher schreibt:

    „Mein aktuelles Nummer-eins-Album hat 30 Prozent weniger verkauft als das vorherige.“

    Wäre interessant zu wissen, was Sina damit genau gemeint hat, das vorherige Album oder das vorherige Nummer-eins-Album. Ihr letztes Nummer-eins-Album stammt laut Wikipedia nämlich von 1995.

    Daß in der Zwischenzeit viele neue Musiker hinzukamen und sich somit das Angebot stark vergrößerte bei etwa gleichbleibender Nachfrage ist wohl tatsächlich zu einem großen Teil dem Internet geschuldet.

    „Es liegt nicht an uns Piraten, eure Geschäftsmodelle zu entwickeln.“

    Herzog listet in dem verlinkten Artikel doch nach „Wenn also das Geschäftsmodell des Einzelstückverkaufs weder durch Gesetze noch durch Moralreden zu retten ist, welche alternativen Optionen bieten sich dann?“ einige der Möglichkeiten auf.

    • agossweiler schreibt:

      «Wäre interessant zu wissen, was Sina damit genau gemeint hat»: Ich finde es gut, wenn Sie Texte kritisch lesen. Ihr Einwand bringt aber wenig. Denn es ist nicht nötig, nochmals zu beweisen, dass Raubkopien die Einkünfte der Urheber schmälern.

      «Herzog listet einige der Möglichkeiten auf»: Der Pirat sieht Musiker als «Staatsangestellte», «Gebühreneintreiber», «Strassenmusiker» oder «Dienstleister». David Herzogs zynische Vorschläge kann ich beim besten Willen nicht ernst nehmen. Flächendeckende Fördergelder für die ganze Musikszene kann niemand finanzieren. Gebühren für Radiosendungen gibt es schon lange. Spendenaufrufe bringen wenig, wie der Flop mit Flattr und Kachingle eindrücklich zeigt. Und welche «Dienstleistungen» sollen Musiker erbringen? Soll sich Sina als Putzfrau verdingen? Der Ausverkauf an die Werbung wäre würdelos.

      • mbutscher schreibt:

        „Denn es ist nicht nötig, nochmals zu beweisen, dass Raubkopien die Einkünfte der Urheber schmälern.“

        Wo ist denn der (erste) Beweis?

        „Flächendeckende Fördergelder für die ganze Musikszene kann niemand finanzieren.“

        Die Idee der Kulturflatrate (kleine monatliche Abgabe auf Internetzugänge) zur Einnahmegenerierung klingt doch ganz gut.

        „Spendenaufrufe bringen wenig, wie der Flop mit Flattr und Kachingle eindrücklich zeigt.“

        Was für ein Flop? Das Modell ist vielleicht nicht das Allheilmittel, aber ein Flop ist es nicht unbedingt.

        „Und welche ‚Dienstleistungen‘ sollen Musiker erbringen?“

        Die Veranstaltung von Konzerten wurde genannt, vor allem geht es aber um die Herstellung des Kunstwerks selbst (das überschneidet sich mit Crowdfunding), eventuell einer personalisierten Version davon (z. B. ein Lied, in dem der Name des Auftraggebers vorkommt).

        Von Herzog nicht genannt wurde außerdem die Möglichkeit des Merchandisings, also dem Verkauf von T-Shirts oder ähnlichem.

  2. the aeschli schreibt:

    diese diskussion ist einseitig, dumm und kleinkariert vom feinsten…:
    es wird immer davon gesprochen „musik“ zu kaufen, es wird dann aber immer nur auf den tonträgermarkt der businessbestimmenden musikindustrie verwiesen, resp. auf die eigenen verkäufe.
    „musik“ ist aber viel mehr als das, denn darin enthalten ist kein einziges konzert .- wieviel geld geben denn herr und frau schweizer für live vorgetragene populärmusik aus? und: wie war da die entwicklung in den vergangenen jahren?
    wie sieht es aus im markt jener bands, deren verkäufe nicht in den statistiken der ifpi auftauchen?
    bevor die musikschaffenden weiter mit all diesen pseudokeulen wild um sich schlagen und ja nur potenzielle kunden treffen und niederstrecken, sollen sie mal ALLE zahlen sammeln und veröffentlichen und anständige statistiken machen, und nicht nur mit genau jenen zahlen daherjammern, jenes vereins, den sie in den letzten jahrzenhnten immer so verteufelt haben.
    die sache ist auch noch die: das „problem download“ ist jetzt etwa 14 jahre alt, bislang hat weder die industrie noch die musiker viel dagegen unternommen, es ist fast nichts passiert. sowas von fast nichts, dass musiker sich nur dann zu statements haben hinreissen lassen, wenn man sie explizit danach gefragt hat. auf websites der musiker, fand man nur in ganz wenigen fällen mal einen hinweis darauf, dass es vielleicht nicht so ideal sei für den musiker, wenn man sich dessen material wie wild kopiere und nichts dafür bezahle., selbst jetzt…
    und jetzt, nach jahren des dahinsiechens müssen dann plötzlich alle handstände machen und verständnis aufbringen, allein dagegen wehr ich mich.
    und was tun sie denn genau? sie gründen einen verein wo einfach alle das selbe sagen. tun „dagegen“ tun sie nicht, würde heissen der öffentlichkeit zeigen, wieso es wichtig ist und was passiert wenn man dieses gesetz ändert, wieviel geld es für den einzelnen bedeutet. aber nichts dergleichen passiert, keine einzige zahl (ausser der IFPI-jammerbalken) kursiert, und vermutlich darum, weil es ein ganz bitter-banalaes resultat gäbe…

    • ivo schreibt:

      Ach Marc… ich begreif‘ noch immer nicht, um was es Dir eigentlich geht.
      Wann nehmen wir endlich dieses Bier?😉

    • agossweiler schreibt:

      «musik ist aber viel mehr als das, denn darin enthalten ist kein einziges konzert»: Logisch, denn Live-Konzerte kann man nicht gratis im Internet runterladen.
      «bevor die musikschaffenden weiter mit all diesen pseudokeulen wild um sich schlagen und ja nur potenzielle kunden treffen und niederstrecken…»: Bisher hat, soviel ich weiss, kein Musiker einen potenziellen Kunden umgebracht.
      «…sollen sie mal ALLE zahlen sammeln und veröffentlichen und anständige statistiken machen»: Wieso, zu welchem Zweck? Es ist doch nicht mehr nötig, zu beweisen, dass das Raubkopieren übers Internet die Urheber schädigt.
      «das problem download ist jetzt etwa 14 jahre alt, bislang hat weder die industrie noch die musiker viel dagegen unternommen»: So ein Chabis. Schon mal von Napster, Grokster usw gehört? Das waren illegale Tauschbörsen, die auf Druck der Musikindustrie geschlossen wurden.

      • the aeschli schreibt:

        bewiesen wurde noch gar nie etwas, es gibt einfach umsatzzahlen die rückläufig sind, mehr nicht. dass man daraus einzig und allein ableitet, dass musik geklaut wird und dass somit schäden in milliardenhöhen entstehen ist naiv:
        die menschen haben am ende des monats kein geld übrig, auch wenn man das urheberrecht anpasst. und wenn man ihnen die illegalen kanäle schliesst werden sie kaum mehr musik kaufen in form von tonträgern oder downloads. keiner wird auf die neueste playstation verzichten, das neueste iPad, die sommerferien oder was weiss ich, nur um ein paar alben, in welcher form auch immer, zu kaufen.
        und das was ich mit den konzerten sagen will ist, dass der umsatz mit konzerten in den vergangenen jahren stetig zugenommen hat – will heissen, die menschen geben unter dem strich immer noch in etwa gleich viel geld aus für „musik“, das produkt des „song“ oder „album“ hat einfach den stellenwert verloren für den konsumenten, es ist eine umverteilung, wie sie in der wirtschaft massenhaft vorgekommen ist und auch weiterhin vorkommen wird. dass man dabei nun die musik sich ungeniert kopieren kann ohne zu bezahlen ist hässlich, aber ändert nichts an der tatsache, dass die musikindustrie den oben genannten trend schon 10 jahre vor dem digitalen shit erkannte, und hat ihn sogar noch weiter vorangetrieben! man muss, wie das in vielen branchen in den letzten jahren der fall war, mit einer neuen situation lernen umzugehen. vielleicht verstehen lernen, dass das was bis anhin funktioniert hat für die zukunft einfach das falsche ist, das die idee von einem album ausgeschöpft ist, dass eine tournee wie man sie bis anhin kannte ein auslaufmodell, das konzert wie man es bis anhin kannte, überholt ist.
        vielleicht muss man die „musik“ auseinander nehmen wie ein LEGO-raumschiff und daraus einen LEGO-leuchtturm basteln. ich weiss es nicht, man sollte es vielleicht gerade darum mal ausprobieren.
        aber die meisten musiker bezeichnen sich als künstler, schade machen sie nicht mehr draus. ich hab manchmal das gefühl, wären sie maler, würden sie einfach alle die mona lisa neu malen, es sind keine neuen impulse da, und täglich kommen neue bands, und die machen alles auch wieder genau gleich, genau gleiche formate, genau gleiche strukturen, genau gleiche strategien.
        und auch wenn ich selber immer noch viel und auch gerne geld für musik ausgebe, auch sehr viel gratis arbeit geleistet habe rund um die „musik“, muss ich auch sagen, hat der umgang der musiker und der industrie dahinter mit der masse an produktivität mein wertgefühl gegenüber den musikern, resp. deren output schwer nachgelassen, und das ist mitunter ein grund, wieso ich so eine gesetzesänderung nicht gutheissen kann. heisst nicht, dass ich die arbeit nicht schätze und es nicht auch gute sachen in den neuen releases hat, aber die masse, die auf mich als konsument einwirkt, erdrückt mich fast, und jede woche ein neuer weltstar den man in 3 monaten nicht mehr kennt, wie soll ich das noch wertschätzen? und das geht ja nicht nur mir so. und ich mach mir noch gewisse gedanken darüber.
        einem jungen macht man den druck ja auch, noch mehr, er muss es kennen, er muss es haben, dem kannst du lange was von wertschätzung und urheberrecht beibringen wollen, der hat den druck auch noch, wenn du ihn 10mal über 10’000.- abmahnst. zudem ist die musik für ihn wie ein gestell voll cocacola, wenn er eins rausnimmt und sich umdreht stellt schon wieder einer ein neues fläschli rein. nur sind es keine fläschli sondern hald neue hits, und so wie er das coci auch nicht von seinem geld kauft, sondern von dem geld vom papi und das einfach so kommt wenn er will, so holt er sich die musik, es ist ein massenprodukt für den, und das ist nicht eine angeborene mentalität, sondern eine vorgelebte strategie der musikindustrie.
        und würde man das ganze mal neutral, transparent und allumfassend betrachten und alle zahlen auf den tisch legen, würde vielleicht noch manchem ein licht aufgehen.
        und ja klar kenn ich die geschichten um napster und co, die waren heute weg und morgen doppelt ersetzt und man hat millionen in anwälte investiert und ein taschengeld in kreative prozesse. und unter dem strich hat man wirklich nichts gemacht, das mit megaupload war ja auch eher näher beim „versehen“ als bei „anstrengung“ was antipiraterie angeht.
        und was ging denn hierzulande in sachen antipiraterie?

  3. agossweiler schreibt:

    «die menschen haben am ende des monats kein geld übrig, auch wenn man das urheberrecht anpasst»: Mir kommen gleich die Tränen. In diesem Drittweltland namens Schweiz geht es den Leuten also jetzt schon so mies, dass sie kein Geld mehr haben, um Platten zu kaufen. Schluchz.
    «keiner wird auf die neueste playstation verzichten, das neueste iPad, die sommerferien oder was weiss ich»: Aha, für das neuste iPad haben die Leute dann plötzlich Geld? Und weisst du warum? Weil man das iPad nicht gratis im Internet herunterladen kann, sondern es für viel Geld kaufen muss. So einfach ist das.
    «die menschen geben unter dem strich immer noch in etwa gleich viel geld aus für musik, das produkt des song oder album hat einfach den stellenwert verloren»: Unsinn. Songs lädt man nicht gratis herunter, weil ihr Stellenwert kleiner geworden wäre, sondern weil es dank dem Internet möglich ist – im Gegensatz zu Konzerten. Die Musikfreunde besuchen heute sicher nicht häufiger als früher Livekonzerte. Wenn der Umsatz einiger (sicher nicht aller) Konzertveranstalter zugenommen hat, dann nur deswegen, weil einige Superstars immer höhere Ticketpreise verlangen.
    «täglich kommen neue bands, und die machen alles auch wieder genau gleich»: Das stimmt schon, muss aber nicht so bleiben. Und das Raubkopieren verbessert die Qualität der Musik sicher nicht.
    «hat der umgang der musiker und der industrie dahinter mit der masse an produktivität mein wertgefühl gegenüber den musikern, resp. deren output schwer nachgelassen, und das ist mitunter ein grund, wieso ich so eine gesetzesänderung nicht gutheissen kann»: Wart mal, ich bin nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Also: Die Musik ist schlecht, aber du lädst sie dennoch gratis auf dein Gerät, weil du gerne schlechte Musik hörst, oder wie?
    «und was ging denn hierzulande in sachen antipiraterie»: Leider wenig. Aber das kann und sollte sich ändern.

  4. Pingback: Vorsicht, Musikschaffende! (Fortsetzung) | Substanz

  5. elrido schreibt:

    > In diesem Abschnitt ist so ziemlich jeder Satz nachweislich falsch:
    > ➜ Erstens ist «die Infrastruktur namens Internet» in ihrer heutigen Form nichts
    > Gottgegebenes. Man kann das Internet gestalten und seine Strukturen nach Belieben
    > verändern.

    Nein, kann man nicht. Und ich erkläre Dir gerne wieso. Das Internet als solches funktioniert nur, weil sich alle Teilnehmer ans Internet-Protokoll (aktuell IPv4, IPv6 ist in der Einführungsphase) halten. Das Internet konnte nur so populär werden, weil sich alle an diesen Standard gehalten haben. Dieses ganze Protokoll basiert auf dem kopieren von Daten. Das ist naheliegend, weil die ganze Informatik auf Maschinen basieren die im Prinzip nur auf dem (stets perfekten) kopieren von Daten basieren. Wenn Du diese Standards änderst, also zum Beispiel ein System baust, das nur unter gewissen Bedingungen (Stichworte DRM, Lizenzen, Hardware-Dongle) Daten kopieren, dann ist es kein wirklicher (sprich freiprogrammierbarer) Computer mehr. Das nennt man dann z.B. Konsole (sehr verbreitet ist für Games), Set-Top-Box (im TV-Bereich) oder Router (dort meist aus Sicherheitsgründen). Die Contentindustrie könnte also nur gewinnen, wenn Sie letzten Endes alle frei programmierbaren Geräte verbietet. Damit wären Computer so wie wir sie heute besitzen und das Internet insgesamt illegal. Mein Lieblings-Buchautor (auf dessen eigener Webseite man übrigens alle seine Bücher herunterladen kann und der damit trotzdem gutes Geld verdient) hat dazu eine Rede am letzten CCC-Kongress gehalten:
    http://www.youtube.com/watch?v=HUEvRyemKSg (Cory Doctorow: The coming war on general computation)

    > ➜ Wenn jetzt Leute wie David Herzog sich in der sogenannten «Piratenpartei»
    > organisieren, um sich auf der politischen Ebene dafür einzusetzen, dass im Internet
    > geistige Werke gratis verfügbar sind, so trifft diese Leute durchaus eine Mitschuld daran,
    > dass die Urheber immer weniger Geld verdienen.

    Der Grund warum Leute wie David und ich Piratenparteien gründen ist, weil wir es nicht mehr aushalten. Wir sind Eure besten Kunden! Ich gebe z.B. zwischen CHF 400 – 600 jeden Monat für Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Filme, Games und Musik aus. Und dafür pinkeln mir die Medienindustrien auch noch ins Gesicht: Ich werde als Pirat und Raubmordkopierer beschimpft, muss mir nicht überspulbare Warnungen und Antipiraterie-Filme ansehen, bei Software ständig durch grössere Reifen springen, damit ich überhaupt noch die Games und Programme nutzen darf, angefangen vom eintippen langer Lizenzcodes, über eine ständige Internetverbindung bis zur Installation von Zwangstrojanern. Wenn ich das selbe Medium im Internet herunterlade funktioniert es einfach. Klar, meine Lösung ist einfach, das Zeug zu kaufen um es mir als Deko ins Regal zu stellen und dann den Film trotzdem herunterzuladen. Aber irgendwann muss damit doch Schluss sein. Wir Konsumenten haben die Schnauze voll. Darum gründen wir Piratenparteien. Genug ist genug.

    Was ist die Lösung? Künstler und Konsumenten (von machen Künstlern auch Piraten genannt) kommen zusammen und finden Kompromisse mit denen beide leben können. Gopfridstutz, wir mögen Euch doch. Wir zahlen Euch doch. Vielleicht sollten wir uns zusammentun und den Mittelsmann ausstechen. Wenn die Künstler sich direkt von den Konsumenten bezahlen lassen könnten, würden Sie wohl auch etwas mehr vom Geld sehen. Lasst die Contentindustrien verrecken. Im Internetzeitalter sind die doch gar nicht mehr nötig.

  6. dgux schreibt:

    In meine Jugend (ich bin 42) wenn ich ein Song geil fand hatte ich die Wahl: auf Kassette aufnehmen mit samt Radio Moderation oder im Laden ein ganze LP zu kaufen.
    Kurz zusammengerechnet: für ein 2.- Song musste ich 21.- hinblättern.
    Es könnte durchaus sein das ich ich ein Album kaufte mit ein brauchbare Titel und 13 weitere die nur Mist waren…
    Heute kann ich über iTunes (oder auch andere Plattformen) genau das machen: ein einzelne Titel kaufen. Das finde ich gerecht, denn ich bezahle der Künstler (aber hauptsächlich der Vertrieb) für das was ich beziehe.
    Im iTunes Zeitalter es werden mehr Einzeltitel als Alben gekauft und die Musikindustrie verdient insgesamt weniger.
    Nun was bewirkt das alles ? Es wird weniger verkauft.
    Es ist nun nicht mehr möglich Alben zu verkaufen mit nur ein Hit drauf.
    Also liebe Musikschaffender, bringt die Qualität und ihr bekommt gutes Geld von mir.
    Und wenn es euch die paar Rappen nicht genug sind, erhebt euch gegen eure Plattenfirmen die euch behandeln wie Kaffeebauern in ein Drittwelt Staat !
    Oder ihr denkt nach wie man das Geschäftsmodell ändert.
    Die Schliessung von Napster und Co hat nur das Musiktausch auf andere Wege vorangetrieben und auch wenn BitTorrent oder andere Plattformen dicht machen müssten wird sich nichts ändern. Seit bald 20 Jahren jammert die Musikindustrie über schwindende Verkaufszahlen aber anstatt alternative zu bieten wird beharrt auf ein Vertriebsweg der längst nicht mehr aktuell ist.
    Ich will ja nicht das kopieren von Urheberrechte verharmlosen aber jeder der ein iPod hat als „potenziell kriminell“ zu kennzeichnen ist sicher nicht der richtige weg.

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