Kinder mit intaktem Sinn für geistiges Eigentum

Viel zu reden gab dieses Jahr das Thema Urheberrecht: Musikerinnen und Musiker in der Schweiz und in Deutschland wehrten sich gegen die Internet-Piraterie. Es sah so aus, als stünden die Urheber mit dem Rücken zur Wand. Doch es ist nicht alles verloren – es gibt Zeichen, die hoffnungsvoll stimmen: Die Piraten verkörpern zwar einen gegenwärtigen Trend, aber die Zukunft gehört nicht ihnen.

Das zeigt eine neue amerikanische Studie der Psychologen Alex Shaw und Kristina Olson von der Yale University. Sie untersuchten, ob sechs- bis achtjährige Kinder unterscheiden zwischen materiellem und geistigem Eigentum. Zu diesem Zweck erzählten sie den Kindern eine Geschichte über einen Jungen, der ein Lied schreibt und einen zweiten Jungen, der behauptet, er habe das Lied erfunden. Die Forscher fragten die Kinder, wem das Lied gehört. 17 von 20 Kindern waren der Meinung, dass das Lied dem ersten Jungen, also dem Liedschreiber gehört.

Die Forscher konnten zeigen, dass die Kinder – anders als die heutigen Piraten – einen intakten Sinn fürs geistige Eigentum haben.

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8 Antworten zu Kinder mit intaktem Sinn für geistiges Eigentum

  1. avongunten schreibt:

    Was soll das denn jetzt genau bedeuten? Dass das Konzept des „geistigen Eigentums“ in unseren Genen fest programmiert ist und daher jemand der das anders sieht, gegen die Natur denkt? Oder könnte es sein, dass diese Kinder halt eben auch schon entsprechend sozialisiert sind, weil sie in einer Welt des „geistigen Eigentums“ aufwachsen? Wenn die zweite Frage mit Ja beantwortet wird, dann ist die Studie bedeutungslos und die erste Frage kann wohl niemand ernsthaft mit „Ja“ beantworten. Nun denn, so ist das halt mit den soziologischen und psychologischen Studien. Sie bestätigen uns das, was wir gerne bestätigt haben möchten😉

    • agossweiler schreibt:

      Ob das Konzept des geistigen Eigentums in unseren Genen programmiert ist, weiss ich nicht. Vermutlich ist es eher eine Frage der Erziehung. Womit ich nicht sagen will, die Piraten seien schlecht erzogen. Ich finde die Studie nicht bedeutungslos, denn sie zeigt, dass die Piraten mitnichten die Speerspitze des zukünftigen Medienkonsums sind. Die nächste Generation hat einen intakten Sinn für das geistige Eigentum und wurde nicht sozialisiert von Piraten und Internet-Aposteln. Das sind Good News.

      • avongunten schreibt:

        Das freut mich für Dich. Meiner Meinung nach helfen uns diese Ergebnisse in der Debatte um die zukünftige Ausgestaltung unseres Rechtssystem im Zusammenhang mit dem Konzept des „geistigen Eigentums“ nicht sehr viel. Wenn wir uns zum Beispiel darüber Gedanken machen würden, auf den motorisierten Individualverkehr zugunsten des öffentlichen Verkehrs zu verzichten, würdest Du wohl auch Studienergebnisse finden, die bestätigen, dass Kinder mit 6 Jahren das Konzept der Mobilität mit dem Auto assoziieren.

  2. agossweiler schreibt:

    Kommt drauf an. Amerikanische Kinder assoziieren Mobilität eher mit dem Auto als Kinder, die in einer Schweizer Stadt aufwachsen, wo der öV gut ausgebaut ist. Die Erkenntnisse der Studie der Yale Universität ist problemlos auf Schweizer Verhältnisse übertragbar. Die Studie zeigt, dass die Idee des geistigen Eigentums keine Macke der Urheber ist und auch nicht veraltet ist, sondern einem weit verbreiteten Gerechtigkeitsempfinden entspricht. Die Autoren der Studie folgern daraus, dass das geistige Eigentum wichtig ist in einer Gesellschaft, in der Kreativität und Intelligenz individuelle Wettbewerbsvorteile sind. Das gilt für die USA genau so wie für die Schweiz.

  3. avongunten schreibt:

    Mag sein, doch das Gerechtigkeitsempfinden ist in einer Gesellschaft der Wandlung unterworfen. Diejenigen, die vor 300 Jahren begonnen haben, die moralische Rechtmässigkeit der Sklaverei anzuzweifeln waren am Anfang auch alleine auf weiter Flur. Und hätten man damals bereits mit solchen Studien gearbeitet, wäre wohl auch jemand auf die Idee gekommen Kinder zu fragen, ob es richtig sei, die Sklaven als Sklaven bzw. als ihr Eigentum zu betrachten. Ein anderes Beispiel wäre das Frauenstimmrecht. Nur weil eine Mehrheit und ein paar Kinder den Status Quo als rechtens betrachten, heisst das nicht, dass man ihn nicht anzweifeln darf, ja machmal sogar soll, wie die Geschichte zeigt.

    • agossweiler schreibt:

      Das Gerechtigkeitsempfinden ist nicht so volatil, sondern in vielen Bereichen sehr konstant über lange Zeit. Die Kritik an der Sklaverei begann nicht erst vor 300 Jahren, sondern ist viel älter. Schon die griechischen Stoiker kritisierten die Sklaverei. Auch der Begriff des geistigen Eigentums hat eine lange Tradition. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass schon im Talmud der erste Besitzer eines Dings als der rechtmässige Eigentümer betrachtet wurde. Das gilt sinngemäss auch für immaterielle Güter: Wer etwas zuerst ausdenkt, ist der Eigentümer. Das war vor 2000 Jahren so und ist auch für die amerikanischen Kinder so, die bei der Studie mitmachten.

      • avongunten schreibt:

        Also doch eine biologische Wahrheit? Es gibt nichts, dass man nicht hinterfragen kann und das Argument, dass eine Gesellschaft in der Mehrheit die Empfindung X hat, spricht nicht für oder gegen diese Empfindung sondern ist einfach eine Feststellung, dass es so ist.

  4. agossweiler schreibt:

    Es geht nicht nur um eine Feststellung. Der Forscher Alex Shaw will herausfinden, wie die Vorstellung von Fairness entwicklungspsychologisch bei Kindern entsteht. Es ist schön zu sehen, dass die Kinder von den Ideen der Piraten noch nicht verdorben sind. Wie schrieb ein Kommentierer in einem anderen Blog: «I think that the idea of intellectual ownership is a cultural value that is on the decline even in Western culture, especially now with the ubiquity of the internet and the way in which content has been remixed.» Und: «It seems like kids are taught that copying is bad (especially at school) at around kindergarten. Yet some college students seem to have trouble with the idea that cutting and pasting information from the internet and submitting it in a paper to a professor is unacceptable. Even if I don’t necessarily agree with copyright as a moral issue, I can’t help but think – c’mon guys, you know better.»

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