Zwanzigmal die Rolling Stones

Tages-Anzeiger-Reporter Jean-Martin Büttner hat Bob Dylan rund dreissigmal live gesehen und gehört, die Rolling Stones zwanzigmal und David Robert Jones (besser bekannt als David Bowie) zehnmal. Das schreibt Büttner in seinem neuen Buch «Anfänge. Und so weiter».

Bei diesen Zahlen kann man schon fast neidisch werden, und man fragt sich: Woher nimmt ein Musikfan die Zeit und die Energie, um so viele Konzerte zu besuchen? Der Grossteil der Konzerte fand vermutlich im Ausland statt. Woher die Begeisterung für die Musik kommt, ist mir hingegen klar. Die Stones, Bowie und Dylan haben einige (oder besser gesagt, ziemlich viele) der bewegendsten Songs geschaffen, die im letzten Jahrhundert auf Schallplatten gepresst wurden.

Meine eigene Konzertbilanz sieht vergleichsweise höchst mager aus: Zweimal sah ich Dylan. Die Stones und Bowie null mal.

Mein erstes Dylan-Konzert war für mich sowas wie eine Offenbarung. Da stand er im Hallenstadion und sang leibhaftig seine perfekten Über-Songs wie «A Hard Rain’s A-Gonna Fall» auf eine neue, frische Art. Mein zweites Dylan-Konzert fand ich hingegen langweilig, zwar ebenfalls makellos intoniert, aber more of the same.

Die Rolling Stones hätte ich mindestens zweimal live erleben können, einmal sogar in meiner mittelbaren Nachbarschaft. Dennoch verzichtete ich darauf. Denn ich habe etwas Eindrücklicheres gesehen: die DVD «The Rolling Stones Rock And Roll Circus». In diesem Film sieht man die Stones voll im Saft, anno 1968, und sogar noch mit dem legendären Brian Jones an Gitarre und Piano. Der Dokumentarfilm «Shine A Light» hingegen, den Martin Scorsese anno 2008 in die Kinos brachte, zeigt eine Band mit einem Gitarristen mit einem «Ledergesicht» (Büttner über Keith Richards), die sich seit 40 Jahren selbst kopiert. Das Kinoticket war erst noch zehnmal billiger als der Eintritt fürs Stones-Konzert.

Mein einziger Trost (falls ich einen brauchen würde): Jean-Martin Büttner hat die Beatles nie live spielen sehen. Die waren so clever und haben sich rechtzeitig getrennt, bevor sie künstlerisch irrelevant wurden.

Jean-Martin Büttner: «Anfänge. Und so weiter», Echtzeit Verlag 2014

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