Das Ende der Genfer Staatsbahn

Der Bahnhof Eaux-Vives ist in der Deutschschweiz wenig bekannt. Die meisten Reisenden  benützen den grösseren Cornavin-Bahnhof, um nach Frankreich zu reisen. Der Bahnhof Eaux-Vives ist (zumindest theoretisch) ein guter Ausgangspunkt für Fahrten nach Annemasse, Evian, Annecy, Grenoble und weiter südlich gelegene Destinationen. Doch für solche Reisen braucht man viel Zeit, denn die Verbindungen sind langsam und die Anschlüsse sind miserabel. Immerhin wird jetzt der Bahnhof Eaux-Vives endlich mit dem Bahnhof Cornavin verbunden. Seit über hundert Jahren war die Verbindung geplant. Bisher war es nötig, mit Tram, Bus oder Taxi quer durch das Genfer Zentrum zu fahren, um den Bahnhof Eaux-Vives zu erreichen.

Im Herbst 2005 unternahm ich eine Reise von Genf nach Nizza. Mit dem TGV wäre man in ein paar Stunden am Mittelmeer. Über den Bahnhof Eaux-Vives, Grenoble, Veynes und Digne dauerte die Reise zwei Tage. Sie machte mir grossen Spass. Der Bahnhof Eaux-Vives machte einen herrlich heruntergekommenen Eindruck. Das Gleisfeld glich einer Wiese. Der Unterhalt wurde offensichtlich aufs Minimum beschränkt. Der Zollschalter war schon lange geschlossen. Der Bahnhof hätte eher zu einer amerikanischen Geisterstadt gepasst als zu einer Schweizer Wirtschaftsmetropole.

Die Schienen des einzigen Gleises, das noch in Betrieb war, trugen bis zuletzt das Zeichen PLM, das für die Bahngesellschaft Paris – Lyon – Méditerranée steht. Diese Gesellschaft existiert seit 1938 nicht mehr. Genau genommen gehörte der Bahnhof Eaux-Vives aber nicht der PLM, sondern der Genfer Staatsbahn (Chemin de fer de l’Etat de Genève), die von Eaux-Vives bis zur Landesgrenze führte. Auch die 1888 gegründete Genfer Staatsbahn gibt es nicht mehr. Ende November fuhr der (vorläufig) letzte Zug im Bahnhof Eaux-Vives ab. Wenn die neue Verbindung Cornavin – Eaux-Vives fertig gebaut ist, tritt der Kanton Genf seine Staatsbahn an die SBB ab.


Fotos: Andreas Gossweiler

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