Umberto Eco und die Verschwörungstheorien

Der Hanser Verlag, der die Bücher von Umberto Eco in deutscher Sprache herausgibt, hat ein neues Bändchen auf den Markt gebracht mit dem Titel «Verschwörungen». Der Inhalt – zwei kurze Texte über Verschwörungstheorien und ein längerer über imaginäre Astronomien, die bereits in früheren Bänden von Umberto Eco erschienen sind – ist wesentlich geistreicher und humorvoller als der Klappentext. Dort nimmt der Verlag Bezug auf «vermeintliche Impfkartelle» und Leute, die sich «in einer versteckten Diktatur wähnen». Man erkennt die Absicht: Der Verlag bezieht sich auf die Corona-Polemik.

Von der heutigen überhitzten Seuchendebatte war Umberto Eco meilenweit entfernt, sowohl inhaltlich als auch stilistisch. Entspannt und witzig schreibt er über das Entstehen von Verschwörungstheorien wie die «Protokolle der Weisen von Zion».

Um eine Verschwörungstheorie zu basteln, braucht man laut Eco nur ein paar zufällige Koinzidenzen. Zum Beispiel die Tatsache, dass Abraham Lincoln 1860 zum Präsidenten gewählt wurde und John F. Kennedy genau hundert Jahre später. Beide wurden an einem Freitag umgebracht. Lincolns Sekretär hiess Kennedy, und Kennedys Sekretärin hiess Lincoln. President Lincoln war eine Woche vor seiner Ermordung in Monroe, Maryland. Kennedy hingegen hatte was mit Marilyn Monroe.

Umberto Eco: «Verschwörungen», Hanser Verlag 2021

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