Burgol und Siegol

Mit Schuhwichse und Bürstchen – so pflegt man Schuhe. Das haben mir meine Eltern beigebracht. Inzwischen gilt das Wort «Schuhwichse» als hochgradig unanständig, und wer sie benützt, gilt geradezu als Fossil aus einer längst vergangenen Epoche. Der Trend schreibt blendend weisse Turnschuhe vor, und wenn sie nicht mehr weiss sind, wirft man sie weg und kauft neue.

Ich weiss nicht mehr, wo ich die runden Blechdöschen mit der geschwungenen Aufschrift Burgol und der Zeichnung einer Burg zuerst sah. Dieses Produkt schien aus der Zeit gefallen: Das Design stammt direkt aus den 1950er Jahren, und auch die solide, einfache Form der Verpackung. Doch, jetzt kommt es mir wieder in den Sinn… es war eine Schuhmacherei am Hegibachplatz, die Burgol verkaufte. Ich war sofort begeistert von diesem Produktdesign, und ich freute mich, dass diese Old-School-Schuhwichse, oder «Schuhcrème», wie man jetzt sagt, immer noch hergestellt wird. Der Name Burgol ist abgeleitet von Burgdorf, wo das Produkt zuerst hergestellt wurde.

Da eine Dose ziemlich ergiebig ist, brauche ich nur alle paar Jahre Nachschub. Als ich gestern wieder mal Burgol kaufen wollte, war ich enttäuscht: Das Produkt wird in der Schweiz nicht mehr verkauft. Jedenfalls nicht mehr unter dem Namen Burgol. Der Hersteller, die Firma Siegenthaler in Herzogenbuchsee, nennt ihre Schuhcrème jetzt Siegol. Der Grund für den Namenswechsel liegt laut der Internetseite des Herstellers darin, dass seit ein paar Jahren eine deutsche Firma das Recht am Namen Burgol besitzt.

Siegol wird, genauso wie früher Burgol, in einer runden Blechdose verkauft. Das Logo ist jetzt modern und frisch, immer noch schön gestaltet, aber jetzt optisch in der Gegenwart angekommen. Deshalb bin ich nicht mehr so enttäuscht. Denn auch wenn mir das museal anmutende Burgol-Design gefiel, weil es so herrlich altmodisch aussah, finde ich es sehr gut, wenn die traditionelle Technik des Schuhputzens jetzt optisch aktuell daher kommt. Was ich auch grossartig finde: Das Produkt wird immer noch in Herzogenbuchsee im Kanton Bern hergestellt.

Burgol gibts immer noch, wird aber nur noch in Deutschland verkauft. Auch der deutsche Hersteller geht mit der Zeit – er bietet jetzt auch Pflegeprodukte für Turnschuhe an.

Über agossweiler

Journalist
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