Drei mal Hugo Pratt

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Dass der Tango im Umfeld von dunklen Cabarets, Prostituierten und Zuhältern entstand, weiss jedes Kind. Deshalb ist es logisch oder zumindest naheliegend, dass der geniale Zeichner Hugo Pratt den Band, in dem er die Erlebnisse seines Comicshelden Corto Maltese in Buenos Aires schildert, schlicht «Tango» genannt hat. Allerdings kommt Corto Malteste kaum zum Tango tanzen. Seine ganze Aufmerksamkeit wird beansprucht von der argentinischen Unterwelt. Diese wurde vor hundert Jahren, wie wir lernen, dominiert von polnischen Einwanderern. Die exzellenten Beziehungen der Zuhälter zur Polizei haben zur Folge, dass Corto bald von zwei Seiten unter Beschuss gerät. «Tango» ist eine der düstersten, aber auch eine der spannendsten Corto-Maltese-Geschichten. Da Hugo Pratt lange in Argentinien gelebt hat, stellt er Buenos Aires nicht klischeehaft dar, sondern plausibel und historisch fundiert. Der deutsche Verlag Schreiber & Leser hat «Tango» vor wenigen Tagen neu herausgebracht, wie immer schön gedruckt und mit historischen Informationen angereichert.

Fast gleichzeitig erschien eine neue Ausgabe des Pratt-Frühwerks Ticonderoga. In zwei Bänden (einmal Querformat und einmal Hochformat in einem Schuber) kann man die Comics-Abenteuer des gleichnamigen jungen Amerikaners geniessen. Lange vor Corto Maltese zeichnete Hugo Pratt diese Western-Comics nach einem Szenario des Argentiniers Hector German Oesterheld. Damals hatte Pratt seinen innovativen, grosszügigen Zeichenstil noch nicht fertig entwickelt, aber einige typische Stilelemente sind bereits sichtbar.

Damit nicht genug – eine dritte Neuerscheinung freut die Pratt-Fans und alle, die es werden möchten. Im Textband «Warten auf Corto» erzählt Hugo Pratt prägende Episoden aus seinem Leben in Äthiopien, Italien und Argentinien. Im lockeren Erzählton, der entfernt an Jack Kerouac erinnert, berichtet Pratt, wie er im italienisch besetzten Äthiopien die Sprache der Einheimischen lernte, um sich mit einem Diener gegen seinen rassistischen Vater zu verbünden. In der Bohème-Szene von Buenos Aires erlebte er bizarre Episoden, die nicht weniger abenteuerlich klingen als die Comics-Abenteuer von Corto Maltese.

Hugo Pratt: «Corto Maltese – Tango», Verlag Schreiber & Leser 2019
Hugo Pratt, Hector German Oesterheld: «Ticonderoga», Avant-Verlag 2019
Hugo Pratt: «Warten auf Corto», Edition Alfons 2019

 

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