Die Pest in Milano

In seinen Büchern und Essays erwähnt Umberto Eco immer wieder Alessandro Manzonis Roman «I Promessi Sposi». Zuerst dachte ich, Eco habe sich über Manzoni lustig gemacht. Dann verstand ich, dass er den Roman bewunderte. Manchmal wirkt der Roman aus heutiger Sicht etwas langfädig, etwa wenn Manzoni ausführlich über den Umgang der Behörden und der Mailänder Einwohner/innen mit der Pest berichtet. Doch immer wieder glänzt Manzoni mit ironischen Bemerkungen. Eine der schönsten davon betrifft die hartnäckige Weigerung der Mailänder/innen, zu anerkennen, dass im Jahr 1630 die Pest ausgebrochen war, obwohl diese Tatsache immer klarer zu beobachten war:

«Am Anfang also keine Pest, auf keinen Fall und in keiner Weise; sogar das Wort ist verboten. Dann pestartige Fieber: die Vorstellung schleicht sich durch ein Adjektiv ein. Dann keine richtige Pest; soll heissen: Pest schon, aber nur gewissermassen, nicht eigentlich Pest, sondern etwas, für das man keinen anderen Namen finden kann. Schliesslich ganz zweifellos und unbestreitbar Pest, aber schon hat sich eine andere Vorstellung damit verbunden, nämlich die der Hexerei und Giftmischerei, die den Sinn des nicht mehr abweisbaren Wortes verwirrt und verfälscht.»

Alessandro Manzoni: «Die Brautleute – I Promessi Sposi», deutsch von Burkhart Kroeber, Deutscher Taschenbuch Verlag 

Über agossweiler

Journalist
Dieser Beitrag wurde unter Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s