«L’inédit des questions»: Paul Valérys Technologiekritik

Bei einer Konferenz der «Université des Annales» ging der französische Philosoph Paul Valéry 1935 den Gründen nach, warum sich die damalige Epoche grundlegend unterscheide vom 19. Jahrhundert. Dabei holte er zu einer überraschenden Technik- und Wissenschaftskritik aus, die auch heute noch mindestens so aktuell ist:

«Dans le passé, on n’avait guère vu, en fait de nouveautés, paraître que des solutions ou des réponses à des problèmes ou à des questions très anciennes, sinon immémoriales. Mais notre nouveauté, à nous, consiste dans l’inédit des questions elles-mêmes, et non point des solutions; dans les énoncés, et non dans les réponses. De là cette impression générale d’impuissance et d’incohérence qui domine dans nos esprits…»

Mit diesen Gedanken nimmt Valéry eine Technologiekritik vorweg, die Buchautor Evgeny Morozov achtzig Jahre später in ähnlicher Form äusserte – indem er den Begriff «solutionism» prägte, der laut seiner Analyse ein Merkmal der Internet-Konzerne ist, welche Lösungen erfinden für Probleme, die bisher nie als Probleme empfunden wurden.

Paul Valéry: «Variéte III», folio essays / Editions Gallimard 2010

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