Farinet in Saillon

«He, ihr da unten, wie viele seid ihr? Mindestens dreissig, mit einem Kommandanten, mit Leutnanten, Wachtmeistern, Korporalen; ich ganz allein, aber nein, wir sind zwei, ich habe die Freiheit bei mir…»
C. F. Ramuz, «Farinet oder das falsche Geld»

Joseph-Samuel Farinet war ein Outlaw, der es punkto dramatischem und romantischem Lebenslauf locker mit Westernhelden wie Jesse James oder Billy the Kid aufnehmen konnte. Nirgendwo gibt es mehr Spuren seines Lebens als in Saillon. Bei der Kirche kann man Farinets Grab besichtigen. Wenn man es denn findet. Es liegt im abgelegensten Winkel des Friedhofs, gut versteckt hinter Büschen. Dafür mit einer prächtigen Aussicht auf die Rhoneebene. Ein schlichtes Holzkreuz markiert das Grab.

Farinets Grab bei der Kirche von Saillon ist gut versteckt.

Zu Tode kam Farinet nicht weit entfernt, in der schroffen Schlucht der Salentse. Auf der Flucht vor der Polizei hatte er sich in die Schlucht zurückgezogen. Ausgerutscht oder erschossen, das weiss niemand genau. «Gestorben unter Umständen, welche die Polizei herzustellen sich bemühte» – so schreibt Farinet-Biograf Willi Wottreng. Vielleicht ging ihm auch einfach der Proviant aus: Bei der Autopsie soll man in Farinets Magen Veilchen gefunden haben.

Ein Stück weit kann man auf einem Weg in die Schlucht wandern, bis zu einer Thermalquelle und einem Wasserfall. «C’est ici que mourut mysterieusement le 17 avril 1880 Joseph-Samuel Farinet, Faux-monnayeur», steht auf einer Bronzetafel bei der Quelle. Und: «Il était marginal mais aimé du peuple.» In der Schlucht wachsen im Frühling tatsächlich Veilchen. Man kann auch noch tiefer in die Schlucht eindringen, allerdings nur mit Bergsteigerkenntnissen auf dem Klettersteig «Via Farinetta».

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Statt ein pompöses Denkmal aufzustellen, legten die «Amis de Farinet» einen Weinberg an. Den kleinsten Weinberg der Welt: Er besteht nur aus drei Reben. Offiziell gehört der Rebberg zur Zeit dem Dalai Lama. Der Verein «Amis de Farinet» hat es verstanden, Prominente einzuspannen: Von Caroline de Monaco bis Gérard Dépardieu und von Maurice Béjart bis zum Seilakrobaten Philippe Petit war praktisch die gesamte frankophone Kunst- und Promiszene schon mal in Saillon. Hunderte von bunten Tafeln, Täfelchen, Plaketten und Schildern mit lustigen Sprüchen erinnern daran.


Fotos: Andreas Gossweiler

C. F. Ramuz: «Farinet oder das falsche Geld», Limmat-Verlag 2015

Willi Wottreing: «Farinet. Die phantastische Lebensgeschichte des Walliser Geldfälschers Joseph-Samuel Farinet, der grösser tot war als lebendig», Elster-Verlag 2008

Über agossweiler

Journalist
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