«Und dann wundern sie sich, dass ihnen Ablehnung entgegen schlägt»

Der Polizeireporter des Tages-Anzeigers bricht in einem Kommentar eine Lanze für das Nennen der Nationalitäten der Täter in Polizeimeldungen. Man dürfe «Probleme nicht unterschlagen» und «die Augen vor Fakten nicht verschliessen», schreibt er. Und er versteigt sich zur Behauptung, das «Verschweigen der Nationalität» von Kriminellen schüre einen «unterschwelligen Rassismus».

Es gibt aber keine Beweise für diese Behauptung. Wenn die Nationalität nicht bekannt ist, kann der Täter irgenwoher kommen. Zeitungslesende haben dann schlicht keinen Anlass, sich zu empören über «kriminelle Ausländer». Dass hingegen das Nennen der Nationalität rassistische Ressentiments fördert, sieht man täglich in Internet-Kommentaren. Dann heisst es: «Gewisse Südost-Europäer meinen wirklich jedes negative Klischee bestätigen zu müssen, und dann wundern sie sich, dass ihnen Ablehnung entgegen schlägt» (Originalton aus der Berner Zeitung). Mit anderen Worten: Das Nennen der Nationalität bestätigt Vorurteile. Das ist schlicht nicht möglich, wenn die Nationalität nicht erwähnt wird.

Was sind die «Probleme», die man «nicht unterschlagen» darf, wie der Polizeireporter meint? Stefan Hohler verweist auf die Statistik: «Die Kriminalitätsrate von Ausländern ist höher als die von Schweizern.» Ich bin entsetzt, das in meinem Leibblatt lesen zu müssen. Auch mit solchen Kommentaren schürt man rassistische Gefühle. Wenn man die Statistik konsultiert, muss man auch den sozialen Hintergrund der Täter berücksichtigen. Auch dazu gibt es Statistiken. Und die zeigen, dass nicht Einwohner bestimmter Nationen öfter als andere Straftaten begehen, sondern Mitglieder unterprivilegierter sozialer Schichten.

Die Angabe der Nationalität bringt nichts in einem Bericht über ein Verbrechen. Genau so wenig wie die Angabe der Haarfarbe oder der Körpergrösse. «Blondine überfällt Tankstelle», «Linkshänder ersticht Schweizer Familienvater», «Francine-Jordi-Fan rast mit 250 Sachen auf der Autobahn» – Äusserlichkeiten jeder Art haben nichts verloren in Zeitungsmeldungen. Man löst keine Probleme, indem man die Nationalität von Tätern erwähnt, man verstärkt damit aber nachweislich Probleme. Deshalb ist es richtig, darauf zu verzichten.

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Eine Antwort zu «Und dann wundern sie sich, dass ihnen Ablehnung entgegen schlägt»

  1. bruderbernhard schreibt:

    Sehr gute Argumentation. Und wieder mal hat der ausgebildete Kaufmännische Angestellte Ronnie Grob beim Bildblog lieber den üblen Kommentar der Rechtsausleger verlinkt als z.B. mal deinen. Mir geht dieser Pseudojournalist mit seiner ewigen Kampagne für Köppeleien so auf den Keks, man fragt sich schon, warum der Mann an so zentraler Stelle schalten darf, auch mal gerne Lektionen in Journalismus erteilt. Es darf gelacht werden.

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