Baden im Dornröschenschlaf

Baden7Wenn man die Bäderstrasse runter läuft und durch das Tor der «Drei Eidgenossen» geht, glaubt man, in eine andere, verwunschene Welt einzutreten. Die alten, klapprigen Fensterläden des «Bad-Hotel zum Ochsen» sind geschlossen. Die Wände sind schief. Das verblichen-grüne Haus geht auf das Mittelalter zurück. Besser ging es der Ochsen-Dependance gegenüber: Der schmucke klassizistische Bau wurde vor ein paar Jahren sorgfältig renoviert. An den Ochsen schliesst der «Bären» an. Die Fassade an der Bäderstrasse sieht nüchtern aus, doch wenn man um die Ecke biegt, kommt ein Aha-Erlebnis: Das «Bad-Hotel zum Bären» bekam 1881 eine super prächtige Neorenaissance-Fassade vorgeblendet mit schönen Gusseisenbalkongeländern und und zwei allegorischen Statuen, die das Wasser und die Gesundheit darstellen. Doch hinter der pompösen Fassade herrscht schon seit Jahren Totenstille, genau so wie im Badehotel «Verenahof», das zusammen mit dem Ochsen und dem Bären zu einem grossen, unregelmässigen Baukomplex zusammen gewachsen ist.

Tote Hose ist auch im «Römerbad», der früheren Dependance des riesigen Grand Hotels, das leider im Zweiten Weltkrieg abgebrochen wurde. Die seltsame, schöne Tristesse geht weiter am anderen Ufer der Limmat, in Ennetbaden. Dort steht stolz die lange Jugendstilfront des früheren Badehotels «Schwanen». Auch hier gehen längst keine Hotelgäste mehr ein und aus.

Wer das in Jahrhunderten gewachsene Ensemble der Badehotels in seiner heutigen Form anschauen möchte, muss sich sputen. Denn bald lässt der Stararchitekt Mario Botta die Bagger auffahren. Dann wird zunächst das Römerbad platt gemacht, um Platz zu schaffen für Bottas neues Thermalbad. Gerne würde Botta auch den Ochsen-Bären-Verenahof-Hotelkomplex umbauen, doch sein Projekt wurde nicht bewilligt, weil es zu stark in geschützte Bausubstanz eingreift. Wie es mit den altehrwürdigen Bäderhotels weiter geht, ist deshalb offen.

Fotos: Andreas Gossweiler

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