Walliser Suonen (Teil 10): Bisse de Saxon

Die Bisse de Saxon war die längste Wasserleitung im Wallis: 32 Kilometer misst der Parcours von der Fassung im Tal der Printse bis zur Alp Boveresse oberhalb von Saxon. Die extreme Länge dieser Bisse führte dazu, dass sie 1964 stillgelegt wurde. Denn der Unterhalt war unglaublich aufwändig. Vier Männer mussten jeden Tag zweimal den Kanal begehen, um zu schauen, ob er irgendwo beschädigt war. Und wegen der langen Strecke versickerte die Hälfte des Wassers unterwegs. Der Bau der Wasserleitung war sehr aufwändig, denn sie führt zu einem grossen Teil durch steiles, felsiges Gelände. Finanziert wurde die Konstruktion von Joseph Fama, dem Besitzer des Casinos von Saxon.

Felsige Stelle der Bisse de Saxon westlich von La Tzoumaz

Felsige Stelle der Bisse de Saxon westlich von La Tzoumaz

Die Fassung der Bisse de Saxon liegt oberhalb von Siviez im Printse-Tal. Dieses Flüsschen speist weiter unten ein halbes Dutzend weitere Bisses. Zuerst verlief die Bisse de Saxon ein paar Kilometer weit relativ geradlinig in Richtung Norden am steilen Westhang des Printse-Tales. Oberhalb Nendaz bog sie nach Westen ab. Bei der Alp Pra da Dzeu vollführte sie nochmals eine scharfe Kurve und floss jetzt südwärts, zur Alp La Dzora und dann in den Talkessel von La Tzoumaz. Von dort floss die Bisse am Nordhang des Pierre Avoi bis zur Alp Boveresse. Dort stürzte das Wasser über einen steilen Hang, um die Aprikosenhaine oberhalb von Saxon zu bewässern.

Auch bei La Tzoumaz fliesst wieder Wasser

Auch bei La Tzoumaz fliesst wieder Wasser

Gebaut wurde die Bisse de Saxon zwischen 1864 und 1876. Die lange Bauzeit spricht für sich. Nicht nur der Bau der Bisse, sondern auch die Reparaturen waren extrem mühsam. Immer wieder wurde der Kanal durch herabfallende Felsbrocken beschädigt.

Die Suonenwärter übernachteten in speziellen kleinen Häuschen

Die Suonenwärter übernachteten in speziellen kleinen Häuschen

Obwohl die Bisse de Saxon seit 50 Jahren nicht mehr in Betrieb ist, kann man die gesamte Strecke der ehemaligen Wasserleitung immer noch bequem begehen. An gefährlichen Stellen wurden stabile Geländer montiert. Und oberhalb von La Tzoumaz fliesst sogar wieder Wasser, wenn auch nur ungefähr auf einem Kilometer. Für die Touristen wurde die Bisse hier repariert und an den Bach La Fare angeschlossen. Die Wanderung macht man am besten in zwei bis drei Teilen. Für den Einstieg eignen sich Siviez und La Tzoumaz am besten – hier gibt es Busverbindungen ins Tal. Von Haute-Nendaz kann man auch zur Alp Pra da Dzeu hochsteigen, wo man die Bisse de Saxon antrifft. Nur das letzte Teilstück ist schwierig erreichbar: Das Ende der Bisse bei der Alp Boveresse ist nur mit einem kräftezehrenden Aufstieg von Saxon her erreichbar (1200 Höhenmeter) – oder vom Pass Col des Planches (hier fährt das Postauto aber nur nach vorheriger telefonischer Reservation). So oder so lohnt sich ein Besuch dieser grossartigen Bisse sehr – die Aussicht aufs Rhonetal ist überwältigend. SaxonPlanFotos: Andreas Gossweiler

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4 Antworten zu Walliser Suonen (Teil 10): Bisse de Saxon

  1. Roland schreibt:

    Schön, auf diesem Blog wieder einmal einen spannenden Suonen-/Bissenbericht zu sehen. Diese Bisse steht bei mir auf der To-do-Liste.
    Nicht so optimal ist die Gegend mit dem ÖV erschlossen, was mich bisher an einer Begehung hinderte und es vielleicht auch in der nahen Zukunft werden wird.

    • silvertrain64 schreibt:

      Hallo Roland, tatsächlich ist die Bisse de Saxon nicht so gut mit dem öV erschlossen. Dennoch ist die Wanderung möglich. Für den Anfang empfehle ich eine Tour von Nendaz aus. Postautos fahren von Sion nach Haute-Nendaz télécabine und nach Siviez – so kann man den ersten Teil der Bisse de Saxon gut erreichen. Auch La Tzoumaz ist mit Busverbindungen gut erreichbar. So kann man zwei Drittel der Bisse relativ bequem erreichen. Schwierig wirds nur beim letzten Teil – da bleibt nur der 1200-Meter-Aufstieg von Saxon aus. Aber auch das ist machbar. Es lohnt sich sehr – die Region ist landschaftlich faszinierend.

  2. Roland schreibt:

    Hallo Andreas, besten Dank für die weiteren Tipps. Ich finde eben, dass auch Nendaz von der Üsserschwyz her nicht besonders ideal zum Erreichen ist, resp. der Anfahrtsweg halt schon recht lange dauert (im Vergleich zu Destinationen im Oberwallis). Aber ja, ich werde den Fahrplan nochmals konsultieren und dann etwas für den Herbst planen. Beste Grüsse.

    • agossweiler schreibt:

      Stimmt, die Fahrt dauert relativ lange. Für mich (Zürich) war das an der Grenze dessen, was in einem Tag machbar ist. Aber ich habe es genossen. Sonst eventuell eine Übernachtung in Sion oder Nendaz einplanen. Viel Spass!

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