«Twitter-Stars» bekommen mehr Aufmerksamkeit

Soziale Medien wie Twitter, Facebook und Blogs stehen im Ruf, die Information zu demokratisieren: Jede und jeder kann selber Texte veröffentlichen und mit anderen Menschen diskutieren. Journalisten hätten das Monopol zum Verbreiten von Informationen verloren. Soweit die Theorie. Aber stimmt das auch? fragte sich ein Team von Wissenschaftlern um den Kommunikationsforscher Drew Margolin von der amerikanischen Cornell University.

Um mehr herauszufinden über das Verhalten der Social-Media-Nutzer, untersuchten die Forscher 290 Millionen Tweets von rund 200’000 politisch interessierten Twitterern. Die Tweets stammen aus der Zeit der US-Wahlen von 2012. «Social media participation is high during these events», erklären die Wissenschaftler, «and there is some evidence that twitter use can influence vote choice.» Mit einem hashtag versehene Tweets könnten bei solchen Grossereignissen ein viel umfangreicheres Publikum erreichen als in «normalen» Zeiten.

Die Forscher fanden erstaunliche Mechanismen der Twitter-Nutzung heraus:

– Während wichtigen Medienereignissen (TV-Debatten etc) verschicken die Nutzer mehr Retweets, und sie diskutieren weniger mit anderen Nutzern.

– Während Medienereignissen werden vor allem die Tweets einer Elite retweetet: Die obersten 25% der Twitterer erzielen drei Viertel aller Retweets.

– Elite-Twitterer (mit über 1800 Followern) und «Rookies» (Anfänger mit unter 90 Followern) twittern während Medienereignissen mehr als üblich. Aber nur die Elite profitiert von dieser gesteigerten Aktivität. Denn die Elite-Twitterer bekommen mehr Antworten von anderen Nutzern, während die «Rookies» vom potentiellen Publikum weitgehend ignoriert werden.

Aus diesen Beobachtungen schliessen die Forscher, dass Twitter das Potential für breit gefächerte Diskussionen nicht ausschöpfen kann. Die Aufmerksamkeit der Nutzer konzentriert sich bei grossen Medienereignissen auf wenige «Stars». Die Forscher vermuten: «The uncertainty of live events may predispose users to seek information from authorities and their expert sensemaking processes rather than from their peers.»

Die Schwierigkeit, die Glaubwürdigkeit von Tweets und Twitterern einzuschätzen, schaffe ideale Bedingungen für Gerüchte und Fehlinformationen, warnen die Wissenschaftler. Zudem nehme die Tendenz zur Polarisierung von Ansichten zu. Beides schade der Aufgabe, die den Social Media zugedacht war – der Meinungsbildung.

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