Der Bürgenstock wird umgepflügt

«Öffentliche Räume in der Schweiz»: Unter diesem Titel bietet der Heimatschutz bis im Herbst ein spannendes Programm mit Führungen und Besichtigungen. Am 22. Juni war das neue Bürgenstock-Resort Thema einer Führung mit dem Kulturmanager Peter Wolf. Er werde «das bereits Gebaute und das noch Geplante reflektieren und kritische Fragen stellen zu dem, was verloren geht», versprach die Programmbroschüre. Dass auf dem Bürgenstock kaum ein Stein auf dem anderen bleibt, zeigt sich schon bei der Talstation der Seilbahn: sie steht seit zwei Jahren still. Wer auf den Berg will, muss zu Fuss hinauf steigen oder auf der anderen Seite des Bergs das Postauto nehmen.

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Die Bürgenstock-Hotels gehören zu den Pionierbetrieben des Tourismus in der Schweiz. Sie gehörten zum Hotelimperium der knorrigen Innerschweizer Unternehmer Franz Josef Bucher und Josef Durrer. Die beiden erbauten drei grosse Hotelkästen auf dem Bürgenstock: das Grand Hotel (1873), das Parkhotel (1880) und das Palace Hotel (1903). Seit 2007 gehören die traditionsreichen Hotels einer Firma aus Katar. Diese hat Grosses vor: Sie baut ein neues «Medical-Wellness-Hotel», baut das Grand Hotel und das Palace Hotel um und erstellt Luxusvillen. Das geht anscheinend nicht ohne massive Eingriffe in die historische Bausubstanz: Das Parkhotel wurde abgebrochen, und vom einstigen Grand Hotel sowie vom Palace Hotel stehen nur noch die Aussenmauern.

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Wort- und kenntnisreich erklärte Peter Wolf die geplanten Bauarbeiten. Leider verpasste er die Gelegenheit, «kritische Fragen» zu formulieren, wie es die Programmbroschüre versprochen hatte. Wolf widersprach dem ebenfalls anwesenden Hotelmanager nicht, als er die Abbrucharbeiten als unumgänglich darstellte. Wesentlich kämpferischer war vor einem Jahr die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege aufgetreten: Sie warf den neuen Hotelbesitzern vor, ihre Empfehlungen zu ignorieren. Der Kanton Nidwalden habe das Projekt «im Schnellzugstempo durchgeboxt und denkmalschützerische Aspekte übergangen», so die Kommission.

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Spannend war die Möglichkeit, im Rahmen der Führung auch den normalerweise hermetisch abgeriegelten «Bürgenstock Club» zu besuchen. Hier relaxten früher die Reichen und Schönen an einem Swimmingpool mit kurvigen Konturen. Drei Bullaugen in der Seitenwand des Pools erlaubten es den Gästen einer Bar, direkt vom Tresen einen Blick in den Swimmingpool zu werfen.

Das gesamte Programm der Reihe «Öffentliche Räume der Schweiz» ist sichtbar auf der Internetseite des Schweizer Heimatschutzes.

Fotos: Andreas Gossweiler

Über agossweiler

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