Macht Prostitution wirklich Spass?

Die Diskussion ums Prostitutionsverbot wird unglaublich hart und verbissen geführt. Seit ich mich auf Twitter für ein Prostitutionsverbot aussprach, musste ich alle möglichen Schimpfworte lesen – «dumm», «ignorant», «Schwätzer» und so weiter. Diese bitteren Reaktionen wirken so, wie wenn die Prostitution etwas vom Wichtigsten überhaupt wäre.

Abgesehen von den Beschimpfungen finde ich die Prostitutionsdiskussion sehr anregend. Es geht dabei um Rollenbilder, um Arbeitsethik und vieles mehr. Viel zu reden gab die Debatte im Club vom 26. November. Die Sendung wurde geprägt durch die Ex-Prostituierte Brigitte Obrist und die Feministin Julia Onken. Obrist nahm die folgende Position ein:

«Das Vorspielen hat mir Spass gemacht, das hat mir gefallen, das war meine Macht. Das hat jede Frau, egal wie die strukturellen Verhältnisse sind. Wenn sie mit dem Freier allein ist, bestimmt sie, was gemacht wird und wie es gemacht wird… Was Sie als Elend betrachten, ist Teil der Marketingstrategie. Die Leute haben ein Weltbild einer sauberen, cleanen Schweiz. Es gibt so etwas wie Lust…»

Julia Onken entgegnete:

«Wenn Sie das Wort Lust ins Mund nehmen, weiss ich nicht, wovon Sie reden… Sie müssen dem Kunden etwas vorspielen, also ob das für Sie auch schön wäre. Also Lust ist etwas anderes.»

Ich wollte genauer wissen, wer Brigitte Obrist ist und habe eine kleine Internetrecherche angestellt. Dabei ist mir ein Interview aufgefallen, das Brigitte Obrist dem Spiegel 1992 gab. Damals war sie noch Inhaberin eines Sexsalons. Ich finde es interessant, dass Obrist damals noch ganz anders über Prostitution sprach. Die Begriffe «Lust» und «Spass» kamen im Spiegel-Interview nicht vor. Stattdessen sprach Brigitte Obrist sehr offen über die Probleme der Prostituierten:

«Aggressive Übergriffe passieren immer häufiger. Ein Jugoslawe hat mir mal die Faust ins Gesicht gedonnert und mich niedergeschlagen. Türken sind schwierig, weil sie keine Kondome nehmen wollen.»

«Am schlimmsten dran sind Frauen aus der Dritten Welt und Beschaffungsprostituierte auf dem Straßenstrich, weil sie relativ isoliert arbeiten. Da passieren immer häufiger Vergewaltigungen, Prügeleien oder auch Morde.»

«Bei uns häufen sich neuerdings die Anfragen nach Sklavinnen. Manchmal habe ich den Eindruck, alle Freier sind heimliche Sadisten.»

«Ich weiß von Frauen, die halten als Sklavinnen hin aus einer extremen finanziellen Notlage heraus. Die, die ich kenne, haben eine deutlich herabgesetzte Schmerzgrenze, sind aber nach einer Foltersession über Stunden hinweg völlig unansprechbar.»

«Freier drehen an meinen Brüsten, als wären es die Knöpfe eines Radios, nageln einen aufs Bett, daß einem fast die Rippen brechen, und rammeln, als ginge es um ihr Leben. Bei Französisch bestehen sie darauf: So weit rein wie irgend möglich. Wehrt man sich, wird einem brutal der Kopf nach hinten gedrückt, und man muß sich gewaltsam befreien.»

«Wer regelmäßig Pornos guckt und ins Bordell geht, der konditioniert eben sich und seine Sexualität sehr stark. Freiern kann ja tatsächlich zu einer Art Sucht werden. Ich kenne viele Männer, die monatlich bis zu 2000 Franken für Huren ausgeben.»

«Hinterher sind sie zwar körperlich befriedigt, aber innerlich total frustriert. Sie suchen nach Steigerungserlebnissen und versuchen es mit technischen Raffinessen. Die emotionale Befriedigung stellt sich aber nie ein.»

Fazit: In diesem Spiegel-Interview sprach Brigitte Obrist das ganze Elend an, mit denen die Prostituierten konfrontiert sind. Mehr noch: Obrist erwähnte auch das Elend der Freier, denen die Prostitution nichts nützt. Im Club sagte sie nichts davon. So dass sich der Verdacht aufdrängt, dass die Ex-Prostituierte die Probleme verschweigt und beschönigt, weil sie gegen das Verbot der Prostitution ist.

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