Cricket-Pop

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Nur noch selten dreht sich eine neu erschienene Platte auf meinem Plattenspieler. Diesen Herbst ist es wieder einmal soweit. «Sticky Wickets» ist die zweite LP der irischen Gruppe The Duckworth Lewis Method. Der Name ist wenig bekannt. In der Tat ist dieser Blogtext, den du gerade liest, die erste Besprechung von «Sticky Wickets» in einem schweizerischen Medium. Hinter The Duckworth Lewis Method stecken jedoch zwei seit vielen Jahren produktive Musiker – Neil Hannon, der unter dem Namen The Divine Comedy wie kein Zweiter grosse, streichergetränkte melodische Gesten vollführt, und Thomas Walsh, dessen Projekt Pugwash mit clever arrangiertem Pop in der Tradition von XTC brilliert.

Das melodische Talent Hannons und Walshs Einfallsreichtum beim Arrangieren ergänzen sich perfekt. Beide Musiker vereint ihre Begeisterung für Cricket, ein obskurer Ballsport, der bei uns fast unbekannt ist. Es gibt zwar in der Schweiz einen Cricket-Verband, aber die Schweizer spielten so schlecht, dass sie letztes Jahr aus dem internationalen Verband ausgeschlossen wurden.

Und eben dieses Cricket besingt das irische Duo jetzt schon auf seiner zweiten Platte. Man muss aber kein Sportfan sein, um diese Musik gern zu bekommen. Das Cricket-Thema wird sehr dezent umgesetzt. Nun gut, auf dem Cover ist ein Flitzer abgebildet, der nackt über ein Wicket – sozusagen ein Cricket-Tor – springt. Das Foto stammt von 1975, und es zeigt tatsächlich den allerersten Flitzer überhaupt. Später wurde diese provokative Kulturtechnik bei anderen Sportarten wie Fussball populär. Und ja, klar, es gibt immer wieder Bezüge zum Cricket, etwa im Titelsong «Sticky Wickets», was anscheinend der Fachausdruck für ein feuchtes Cricket-Tor ist, falls ich das richtig verstanden habe. Und in zweiten Song wird der afghanische Cricket-Spieler Shahid Afridi erwähnt. Und so weiter.

Was mir mehr Eindruck macht, ist die melodische Kreativität der beiden Iren Hannon und Walsh. Jeder Song ist durchkomponiert, jeder Song zitiert einen anderen musikalischen Stil, das beginnt mit sattem Rock mit fetten Basslinien, geht weiter mit elegischen Streicherparts, die sich Neil Hannon ausgedacht hat. Die Melodien sind oft berückend schön, was in der heutigen Poplandschaft eine Seltenheit ist. Die Melodien sind so originell und eingängig, dass ich schon nach dem zweiten Hören das Gefühl hatte, ich würde diese Musik seit Jahren kennen.

The Duckworth Lewis Method: Sticky Wickets, Divine Comedy Records 2013

Über agossweiler

Journalist
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