Zehn Gründe gegen Velohelme

Vorbemerkung: Ich will niemanden vom Tragen eines Velohelms abhalten. Mich stört es nicht, wenn jemand gerne einen tragen möchte. Was mich stört, ist hingegen, wenn Velohelm-Missionare Velofahrer, die keinen Helm tragen möchten, als unvernünftig brandmarken. Das, und nur das, hat die folgenden Zeilen inspiriert – zehn Gründe, die gegen das Tragen eines Velohelms sprechen:

1. Die Ästhetik von Velohelmen ist, gelinde gesagt, unbefriedigend – oder etwas deutlicher ausgedrückt, katastrophal. Die herkömmlichen Velohelm erinnern an ein Alien aus einem billigen Science-Fiction-Film, das viel zu viel radioaktive Strahlung abbekommen hat. Die neueren Velohelme erinnern an die Ästhetik der Kopfbedeckung der deutschen Wehrmacht. Was nicht viel besser ist.

2. Velohelme vergrössern das Unfallrisiko – das zeigt ein Selbstversuch des englischen Verkehrspsychologen Ian Walker. 2006 stellte er fest, dass Autofahrer einen kleineren Abstand zu ihm hielten, wenn er einen Helm trug. Zweimal wurde Walker angefahren – obwohl, oder weil, er einen Helm trug.

3. Velohelme schützen nicht vor Kopfverletzungen – der Neurochirurg Frank Thomas Möllmann fand das heraus, als er über 300 Patienten untersuchte, die bei Velounfällen Hirnverletzungen erlitten hatten. Die Velofahrer, die keinen Helm trugen, hatten nicht schwerere Verletzungen als die Helmträger.

4. Der Velohelm trägt dazu bei, dass Leute das Velofahren als ein gefährliches Verkehrsmittel betrachten – denn was man mit Helm tut, muss gefährlich sein. Diese Wahrnehmung hält Leute davon ab, Velo zu fahren. Was schade ist – sowohl aus der Perspektive des Umweltschutzes wie der Gesundheit. Die Wahrnehmung ist auch falsch (siehe Punkt 5).

5. Die Sicherheit hängt vom Fahrstil ab, nicht vom Helm – ich sehe täglich Velofahrerinnen und Velofahrer, die sich gefährlich verhalten. Die Zigarette rauchen auf dem Velo oder telefonieren, oder die zu schnell fahren. Manche von ihnen tragen einen Velohelm. Wer unvernünftig fährt, lebt trotz Helm gefährlicher als ein Velofahrer, der vernünftig fährt ohne Helm.

6. Die Helmpflicht führt dazu, dass weniger Leute Velofahren – das zeigte sich in Australien. Vor 22 Jahren wurde dort das Tragen eines Velohelms für obligatorisch erklärt. Die Folge war absehbar: Die Zahl der velofahrenden Jugendlichen ging um die Hälfte zurück. Unter den verbliebenen Velofahrern stieg die Unfallrate an.

7. Hohes Tempo macht das Velofahren gefährlich, nicht der Helmverzicht – denn der Bremsweg und die Reaktionszeit sind die wichtigsten Faktoren, die darüber entscheiden, ob ein Unfall mit schweren Verletzungen passiert oder nicht.

8. Auch eine 2013 veröffentlichte Studie der University of Toronto zeigt, dass der Velohelm weitgehend nutzlos ist. Die Kopfverletzungen gingen nicht zurück nach der Einführung der Helmpflicht. Das zeigte sich in Kanada, nachdem sechs Provinzen das Helmtragen für obligatorisch erklärt hatten. Der Effekt der Helmpflicht auf die Verletzungsrate sei minimal, erklärten die Forscher.

9. Meistens stürzen Velofahrer nicht auf den Schädel, sondern aufs Gesicht. Gegen Verletzungen im Gesicht nützt ein Velohelm aber nichts.

10. Velohelme ruinieren die Frisur. Nicht der wichtigste Grund dagegen, aber damit sind es zehn Gründe, was eine runde Zahl ist.

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4 Antworten zu Zehn Gründe gegen Velohelme

  1. Philippe Wampfler schreibt:

    Dieses Paper belegt IMO, dass sich Gegner und Befürworter von Helmen darin einig sind, dass Velohelme im Falle eines Unfalls wirksam sind: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1730720/pdf/v007p00089.pdf

  2. bruderbernhard schreibt:

    11. ein Velohelm zieht durch sein Gewicht den Kopf zu Boden.
    12. ein Velohelm kann kaputt sein, ohne dass man ihm das ansieht. Einmal zu Boden gefallen, ist er scheint’s nicht mehr sicher. Wie soll ich Gewähr haben, dass er noch OK ist, ohne periodischen Labortest, mindestens nach dem Kauf, nach jedem Runterfallen, aber auch nach jedem unbeaufsichtigten Liegen lassen irgendwo. Für Kinder also total untauglich, durch die versteckte Unsicherheit gar gefährlicher als kein Helm.

    Ich bin schon paar mal in zügiger Gefahrt gestürzt, halt immer nach vorne mit instinktivem Abrollen oder so ähnlich, auf jeden Fall mit zerrissenen Kleidern vom Asphaltschürfen, den Kopf aber nie am Boden, instinktiv. Gut, das ist 20 Jahre her seit dem letzten Mal… Heute fahre ich halt auch langsamer, das gleicht sich dann aus.

    Die Anmeldungspflicht hier saugt.

    Hotcha

    • agossweiler schreibt:

      Herzlichen Dank, lieber Hotcha, für Punkt 11 und 12. Ich fahr auch langsamer, das ist der beste Schutz.
      Ich versichere Dir, dass es bei meinem Blog keine Anmeldungspflicht gibt, jedenfalls nicht von meiner Seite. Meine Diskussions-Einstellungen habe ich so definiert, dass Benutzer zum Kommentieren nur Name und Mailadresse hinterlassen, aber nicht registriert oder angemeldet sein müssen.

  3. Andreas schreibt:

    Ich bin nicht für eine Helmtragepflicht beim Velofahren. Würde jedoch trotzdem nie mehr ohne Helm fahren. Fahre seit vielen Jahren und bin schon mehrmals gestürzt. Und überzeugt, dass mich der Helm mehrmals schon von schweren Kopfverletzungen bewahrt hatte! Den defekten Helm hatte ich jeweils nach dem Sturz (oder nach max. 5 Jahren) ersetzt. Kürzlich bin ich auf der Strasse gestürzt, weil mich ein Windstoss an den Randstein gedrückt hatte und bin aufs Trottoir geknallt! Mit dem Kopf und der Schulter hart auf den Asphalt geknallt! Helm kaputt, Schulter verletzt, jedoch keinerlei Verletzungen am Kopf. Was würde mir also die tolle Frisur ohne Helm nützen bei einem Schädelbruch?

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