«Der Ursprung des Tangos ist schwul und schwarz»

Rudolph Valentino tanzt Tango im Film «The Four Horsemen of the Apocalypse» (1921)

Rudolph Valentino tanzt Tango im Film «The Four Horsemen of the Apocalypse» (1921)

Obsessiv, fatal, unergründlich – mit solchen Adjektiven wird Tango oft beschrieben. Sie fehlen nicht auf dem Umschlag des neu erschienenen Bändchens «Tango fatal». In dem Buch versammelt die Frankfurter Tango-DJ Karin Betz 14 Textausschnitte von argentinischen und deutschen Autorinnen und Autoren, die auf vielfältige Art das Thema Tango umsetzen. Witzig beschreibt der finnische Sänger M. A. Numminen den finnischen Tango als «Mischung aus russischer Romanze und deutscher Marschmusik». Julio Cortazar beschreibt die «Monstren» aus obskuren Vorstädten, die die Milongas von Buenos Aires bevölkern. Katrin Dorn beschreibt ihre (?) Versuche, in Berlin einen passenden Tanzpartner zu finden, der nicht total neurotisch ist. Scheint nicht einfach zu sein. Frustriert bilanziert sie: «Mein Nachbar ist der Einzige, mit dem ich darüber reden kann, dass es einfach nicht möglich ist, in Berlin Tango zu tanzen.»

Am spannendsten finde ich den Text des deutschen Autors Wolfram Fleischhauer. Er inszeniert einen Dialog zweier Frauen, die sich in Buenos Aires über den Tango unterhalten. «Vergiss alles, was du über Tango zu wissen glaubst», sagt Lindsey zu Giulietta, während sie auf ihr Décolleté blickt. «Es ist alles falsch.»

«Der Ursprung des Tangos ist schwul und schwarz», doziert Lindsey. Manche der grössten Tango-Figuren seien schwul gewesen, angefangen bei Carlos Gardel. Ursprünglich sei der Tango ein reiner Männertanz gewesen – weil in Buenos Aires im ausgehenden 19. Jahrhundert «totaler Frauenmangel» herrschte. Zudem unterminiere Tango die herkömmliche Männerrolle: «Der Mann wird weiblich. Er hockt sich hin und jammert und schluchzt wie ein Weibsbild.» Die besten Tänzer seien «von Natur aus natürlich die Schwarzen.» Der zackige Rhythmus der schwarzen Candombe-Musik schimmere bis heute im Tango durch.

«Tango fatal. Geschichten vom Tanz der Leidenschaft», herausgegeben von Karin Betz. Unionsverlag 2013

Am Samstag, 26. Oktober um 13.30 Uhr liest Karin Betz Tangogeschichten im Club El Social im Rahmen des Buchfestivals «Zürich liest». Nachher gibts einen Tango-Schnupperkurs.

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