Der Twitter-Boykott

In seinem neuen Buch «Who Owns The Future?» kritisiert der Computerwissenschaftler Jaron Lanier die grossen Internet-Unternehmen: Diese würden mit Internet-Angeboten enorme Profite machen, aber das Risiko auf die Konsumenten abwälzen:

«Google essentially gets the benefits of a risk pool without the cost of a risk pool… Everyone must pay for the risk, but the server that skims the pool for benefits is private. This is also called „privatizing benefit while socializing risk“.»

Jaron Lanier belegt diese Analyse mit folgenden Beispielen:
Die Wohnung einer Frau wurde von Gästen ausgeraubt, welche die Seite Airbnb vermittelt hatte. Airbnb ermöglicht es Privatpersonen, ihre Wohnung fremden Leuten zu vermieten, die eine billige Übernachtungsmöglichkeit suchen.
Minderjährige Mädchen, welche die Chatseite Skout besuchten, wurden von Männern vergewaltigt.

Ein aktuelles Beispiel erwähnt der Tages-Anzeiger. In England erhielt die Journalistin Caroline Criado-Perez Hunderte Tweets, die Vergewaltigungs- und Morddrohungen enthielten, nachdem sie gefordert hatte, auf englischen Banknoten müssten mehr prominente Frauen abgebildet werden. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, weigerte sich die Firma Twitter zunächst, einzugreifen und die bösartigen Tweets zu stoppen. Twitter sei «nur eine Plattform» («Morddrohungen gegen britische Frauen bringen Twitter in Bedrängnis», TA vom 3. August, nicht online verfügbar). Besser könnte man Jaron Laniers These nicht illustrieren.

In England hat die üble Geschichte eine grosse Debatte ausgelöst. Um gegen Twitters Untätigkeit zu protestieren, rufen prominente Britinnen und Briten dazu auf, morgen Sonntag, 4. August Twitter zu boykottieren, d.h. 24 Stunden lang keine Tweets zu versenden und die Plattform während dieser Zeit «den Trolls zu überlassen.» So schreibt die englische Schriftstellerin Caitlin Moran in ihrem Blog:

«I’m pro the mooted 24-hour walk-out on 4th of August, because not only is it a symbolic act of solidarity – which are my favourite kinds of symbolic acts – but because it will also focus minds at Twitter to come up with their own solution to the abuses of their private company.»

Über agossweiler

Journalist
Galerie | Dieser Beitrag wurde unter Medien veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s