«Naturfreunde für Atomstrom» verletzen Copyright

Ende der siebziger Jahre waren die gelben Badges mit der roten Sonne und dem Slogan Atomkraft nein danke sehr angesagt. Mit dem Atomkraft-Thema wurde ich praktisch zu einem politisch denkenden Menschen. Die Badges fand ich bald einmal nicht mehr so toll. Ich assoziierte sie mit Birkenstock-Sandalen, Jutesäcken und Selbstgestricktem. Dennoch ist das Atomkraft-nein-danke-Logo unbestreitbar ein erfolgreiches Symbol. Alle kennen es. Ich verlor es irgendwann aus den Augen. Das Thema Atomkraft blieb immer aktuell – «dank» Tschernobyl und Fukushima.

Über dreissig Jahre später begegnete mir die rote Sonne auf gelbem Grund wieder, wenn auch mit einem anderen Slogan. Die Gruppe «Naturfreunde für Atomstrom» verwendet es auf ihrer Facebookseite, zusammen mit dem Spruch Atomkraft ja bitte. Auf Facebook posten die «Naturfreunde» launige Sprüche, zum Beispiel den folgenden: «Ich wohne sozusagen neben einem Kernkraftwerk und wenn ich könnte, würde ich Zaun an Zaun wohnen. Denn dann hätte ich auch noch Steuervorteile.» Oder: «Die Kernenergie ist bezüglich Stromherstellung in jeder Hinsicht besser als Photovoltaik und Wind. Sicher, zuverlässig. Landschaft schonend, günstig und sauber. Was will man mehr?» Auch auf dem Twitterkonto der «Naturfreunde» prangt das Sonnen-Logo.

Die Facebookseite der «Naturfreunde für Atomstrom»

Die Facebookseite der «Naturfreunde für Atomstrom»

Gezeichnet sind diese Beiträge mit dem Kürzel cr, das für Christian Riesen steht. Laut seiner Internetseite arbeitet er als Fachingenieur Sicherungssysteme und Buchautor unter dem Pseudonym «John Punisher». Andere Mitglieder der Gruppe sind der Weltwoche-Redaktor Alex Baur, die konservative Bloggerin Dani Brandt, die freie Journalistin Isabella Seemann und Christof Merkli, der Betreiber einer Internetseite, die gegen Windkraftwerke auf dem Heitersberg protestiert. Das steht in Brandts Blog.

Der Name «Naturfreunde für Atomstrom» klingt einigermassen paradox. Problematischer ist der Gebrauch des abgewandelten Sonnen-Logos. Denn das «Atomkraft-nein-danke»-Logo ist eine geschützte Marke. Inhaber ist die dänische Anti-AKW-Gruppe OOA Fonden. Auf ihrer Internetseite stellt OOA Fonden klar: «The user has no right to modify the design of the Logo in any way or use different colours, unless in writing OOA Fonden has explicitly given its written accepted of any such alteration.» Mit anderen Worten: Die «Naturfreunde für Atomstrom» haben das Copyright verletzt.

OOA Fonden will deshalb gegen die «Naturfreunde» vorgehen. Siegfried Christiansen, Copyright Consultant von OOA Fonden, schreibt dem SILVER TRAIN Blog: «Was die «Naturfreunde für Atomstrom» mit dem geschützten Logo machen, ist nicht in Ordnung. Wir werden bei Facebook vorstellig werden und hoffentlich dann diesen Unfug abstellen.»

Update 18.5. Das ging schnell: Nur einen Tag nach meinem Blogartikel kündigen die «Naturfreunde für Atomstrom» einen Logowechsel an. In einem Blogtext, der diverse unflätige Ausdrücke und falsche Behauptungen enthält – unter anderem steht darin, ich hätte Artikel über «Hämoroiden» (sic) geschrieben, was nicht stimmt – behauptet Dani Brandt, die «Naturfreunde» hätten «schon seit geraumer Zeit» über eine Logo-Änderung diskutiert. Die Bloggerin präsentiert ein «eigenes Symbol», das wiederum eine Abwandlung des Atomkraft-nein-danke-Logos ist.

Update 21.5. Die «Naturfreunde für Atomstrom» haben das «neue» Logo auf ihre Facebook-Seite montiert. Dies ist auch Siegfried Christiansen von AAO Fonden aufgefallen. Mit der neuen Version ist er genausowenig glücklich wie mit dem alten Logo. Christiansen schreibt dem SILVER TRAIN Blog: «Wir werden auch gegen diese Variation Einspruch erheben.»

Das «neue» Logo der «Natufreunde für Atomstrom»: Verletzt ebenfalls das Copyright

Das «neue» Logo der «Natufreunde für Atomstrom»: Verletzt ebenfalls das Copyright

Über agossweiler

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3 Antworten zu «Naturfreunde für Atomstrom» verletzen Copyright

  1. Pingback: Alex Baur wird nervös | SILVER TRAIN

  2. Thomas Schwarz schreibt:

    „Darf es ein bisschen mehr sein?“ Nach diesem Motto hat nun der feine Herr Riesen auch das Logo von Schweiz Tourismus für seine Zwecke „entlehnt“ (siehe 20 Minuten vom 20. August http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Atomstrom-Befuerworter-klaut-Tourismus-Logo-26484653). Es gibt Leute, die sich über den Gesetzen wähnen.

  3. Adam Erpel schreibt:

    Ach, und das diese Seite auch noch den GM Aerotrain für ihre Stümperei missbraucht? Habt Ihr dafür denn die Rechte von GM eingeholt? Oder soll ich dort mal freundlich nachfragen…
    Man kann es auch übertreiben mit diesem dauernden Copyright Mist. Wir leben alle auf der selben Erdkugel, und alles was wir tun ist uns gegenseitig wegen so einem vollkommen unnützen Quatsch zu verklagen und fertigzumachen. Einfach erbärmlich. Als hätten wir alle nichts besseres zu tun…

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