«Die absurdeste Diskussion ever»

Zum Glück gibt es noch Leute, die einen kühlen Kopf bewahren und genau hinschauen. So wie ein Medienwoche-Leser, der den folgenden Kommentar schrieb:

«Das ist wohl die absurdeste Diskussion ever! Hat denn irgendjemand, der auf diesem Blog schreibt oder hier Kommentare verfasst, die WOZ-Originalartikel gelesen, die die Weltwoche jetzt als Beweise verkauft? Ich glaube nicht. Denn hätte man dies getan, was für Journalisten eigentlich der allererste Schritt sein sollte, wenn ein CR des Sympathisierens mit Terroristen und des Antisemitismus „angeklagt“ wird, hätte man festgestellt, dass es für Strehle absolut keinen Grund gibt, sich zu erklären. Denn: die Beweise sind gefälscht, verdreht und aus dem Zusammenhang gerissen. Anstelle antisemitischer Äusserungen findet man im Originalartikel zum Beispiel eine Kritik der Schweizer Grossunternehmen, die sich mit antisemitischem Verhalten arabischen Kunden anbiederten. Strehle kritisierte im damaligen Artikel, den die WW jetzt als Beleg für Strehles antisemitische Haltung verwendet, die antisemitischen Gesten der Grossunternehmen. Wieso sollte sich jemand dazu erklären, wenn offensichtlich gelogen wird?»

Mit «absurdeste Diskussion ever» bezeichnete der Leser zwei Beiträge in der Medienwoche, in denen Nick Lüthi und Ronnie Grob räsonnieren, ob Res Strehle auf die Schmutzkampagne der Weltwoche reagieren soll. Weltwoche-Fan Ronnie Grob schreibt grossmäulig, Strehle sei «der Öffentlichkeit die Information schuldig, wie er zum Thema Terrorismus stand und steht.» Auch Nick Lüthi rät: «Aussitzen hilft nicht ewig.» Kein Wunder, dass Weltwoche-Journalist Markus Schär via Twitter gratulierte: «Beide Texte sind ausgezeichnet». Mit ihrem Vorgehen leistet die Medienwoche der aggressiven Kampagne der Weltwoche publizistische Schützenhilfe – für ein Medienjournal, das unabhängig sein will, nicht unbedenklich.

Unterdessen werden immer mehr journalistische Fehler der Weltwoche publik:

– Journalistin Marianne Fehr stellt auf ihrer Facebookseite klar, dass das Meienberg-Buch «Biederland und der Brandstifter» nicht von ihr herausgegeben wurde, wie die Weltwoche schrieb, sondern von Barbara Lukesch und Martin Durrer. Auch ihre eigene Meienberg-Biografie habe die Weltwoche falsch zitiert: «Alles, was Philipp Gut Strehle unterstellt, ist im Buch nicht enthalten, sondern erfunden.»

– Die peinliche Verwechslung des Ex-Terroristen Daniele von Arb mit dem unbescholtenen Bürger Daniel von Arb musste die Weltwoche schon bald nach der Publikation selber richtigstellen.

Die Zeit stellte klar, dass Philipp Gut die Beschreibung des Gedankenguts einer Guerillagruppe fälschlicherweise als persönliche Meinung Strehles umdeklariert hat: «Res Strehle schrieb 1986 in der WoZ: „Revolutionäre Gewalt ist für die FP 25 die Antwort auf die Repression des Staates, die den Arbeitern zeigen soll, dass es auch andere Formen des Klassenkampfes gibt.“ Die Weltwoche macht 2013 daraus: „Revolutionäre Gewalt“, so Strehle, sei „die Antwort auf die Repression des Staates, die den Arbeitern zeigen soll, dass es auch andere Formen des Klassenkampfes gibt“.»

– In seinem zweiten Artikel unterstellt Gut Strehle antisemitische Äusserungen. In Tat und Wahrheit hatte Strehle den Antisemitismus von Schweizer Gemeinden enthüllt. Damit hat die Weltwoche die Tatsachen verdreht, wie Daniel Binswanger im Magazin erklärt.

Es ist ein starkes Stück, aufgrund von dermassen fehlerhaften Weltwoche-Texten ernsthaft zu fordern, Res Strehle müsse sich für irgend etwas rechtfertigen oder entschuldigen. Von einem unabhängigen Medienblog würde ich genaues Hinschauen erwarten, nicht das Schüren von Emotionen aufgrund einer überaus dürftigen Faktenlage.

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2 Antworten zu «Die absurdeste Diskussion ever»

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