Das falsche Holzhaus

Holz gilt als eher billiges Baumaterial. Wer für die Ewigkeit bauen will, baut Häuser aus Stein. Umso erstaunlicher ist das Haus, das an der Route Départementale 103 bei Le Puy steht: Aus Stein gebaut wie die meisten Häuser der Region, liess sein Erbauer es als Holzschuppen dekorieren. Fein säuberlich hat ein begabter Maler vor über hundert Jahren die Textur von Holzbrettern auf den Verputz gepinselt, mit allem, was dazu gehört.

Warum der Hausbesitzer ein Holzdekor wünschte, ist nicht bekannt. Vermutlich überwog die Freude am verblüffenden Effekt. Auch die Form der Fenster zeigt die Freude an formalen Spielereien: die Fenster im ersten Stock erinnern an orientalische Architektur. Und die Lukarnen im Estrich sind kleeblattförmig gestaltet.

Jedesmal, wenn ich nach Le Puy gefahren bin, habe ich mich gefragt, ob der Hausbesitzer nicht irgendwann auf die Idee kommen würde, das Haus frisch zu streichen. Das wäre jammerschade. Zwar sieht die Fassade schon lange nicht mehr frisch aus. Vermutlich wurde das Haus nie frisch gestrichen, seit es gebaut wurde. Die Renovation unter Beibehaltung der Holzimitation wäre enorm aufwendig. Und so freue ich mich, dass das Haus immer noch so dasteht, wie ich es bisher immer angetroffen habe, mit dem ursprünglichen, spleenigen Holz-Imitat-Anstrich.

Fotos: Andreas Gossweiler

Über agossweiler

Journalist
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