Walliser Suonen (Teil 3): Saastal

Zwischen Stalden und Saas-Balen liegt eine der spannendsten Suonenlandschaften. Auf verschiedenen Höhenstufen verlaufen vier lange Wasserleitungen, die zum Teil stillgelegt sind.

Unterriederi

Die Unterriederi und die Oberriederi versorgten die Wiesen von Staldenried mit Wasser. Die Unterriederi (oder «Unneri Riederi») wurde 1680 fertiggestellt. Im Lauf der Zeit wurde sie immer kürzer: Zapfte sie anfänglich das Wasser des Ahornbachs oberhalb Eisten an, wurde die Fassung 1908 an den Riedbach auf dem Gebiet der Gemeinde Staldenried verlegt. Bis zu diesem Punkt führt ein schöner Wanderweg der alten Suone entlang, der im Sommer 2016 von der Gemeinde Staldenried aufwändig renoviert wurde. Der neue Weg zeigt eindrücklich, welch schwieriges Gelände die Erbauer der Suone durchqueren mussten. An einigen Stellen führt die Strecke durch steile Felswände. Leider litt die Suonen-Atmosphäre stellenweise unter der Renovation des Pfades. Mehrere alte Rohre wurden entfernt und der Fels weggespitzt. Immerhin kann man jetzt einen Teil der Unterriederi gefahrlos begehen, was vor der Renovation wegen der gefährlichen Stellen nicht empfehlenswert war. Südlich des Riedbachs muss man zum Raaftgarten absteigen, ab hier sind keine Resten der Suone mehr sichtbar, ausser bei einer gruseligen Felswand bei Eisten. Die Seilbahnstation Staldenried ist ein bequemer Ausgangspunkt für diese wenig bekannte, aber erlebnisreiche Suonenwanderung.

Oberriederi

Rund 500 Meter weiter oben verläuft die Oberriederi. Diese Suone führt auf einer Teilstrecke noch Wasser, das sie aus dem Leidbach bezieht. Unterhalb des Leidbachs ist die Oberriederi problemlos begehbar, weiter oben wird der Pfad holprig, und südlich der Alp Stellinu sind ein paar kleinere Klettereinlagen angesagt. Bis 1908, als ein Kraftwekstollen zum Wasserschloss oberhalb Ackersand gebaut wurde, der auch Wasser für die Landwirtschaft abgab, lag die Fassung der Oberriederi am Ahornbach – laut dem Buch «Les bisses du Valais» früher noch weiter südlich und wesentlich höher am Mattwaldbach. Obwohl die Leitung zwischen Ahornbach und Leidbach schon seit über 100 Jahren nicht mehr gebraucht wird, ist sie erstaunlich gut erhalten. Das liegt daran, dass die Gemeinde Staldenried die Suone weiterhin unterhalten musste, ansonsten sie Gefahr lief, die Wasserrechte zu verlieren. Die Unter- und Oberriederi lassen sich gut als Tagestour kombinieren. Die schönsten Suonen im Saastal sind die Finileri und die Gsponeri. Sie haben die höchstgelegenen Fassungen aller Walliser Suonen. Die Fassung der Finileri liegt auf 2650 Meter am Mattwaldbach, diejenige der Gsponeri sogar auf fast 2900 Metern. Es ist eindrücklich, zu sehen, wie grosse Anstrengungen die Bauern unternahmen, um Wasser aus dem weit entfernten Mattwaldbach nach Finilu und Gspon zu bringen.

Speichersee an der Gsponeri

Um die Finileri und die Gsponeri anzuschauen, fährt man mit der Seilbahn von Stalden bis zur Alp Gspon auf 1900 Metern Höhe. Die beiden Suonen machen es einem nicht einfach. Zwar gibt es einen ausgeschilderten Rundweg ab Gspon, den «Suonenwanderweg». Der Weg ist bequem, doch kann man dabei nur den unteren Teil der Wasserleitungen sehen, etwa bis zur Waldgrenze. Hier wirds aber erst richtig spannend.

Finileri

Aber auch anstrengend. Um bis zur Fassung zu gelangen, muss man oberhalb der Alp Obere Schwarze Wald eine steile Geröllhalde erklimmen. Einen Weg gibt es hier nicht. Das ist nicht jedermanns Sache. Aber es lohnt sich. Bei der Ischflie auf 2500 Metern Höhe verläuft die Finileri wieder flach, und sie führt durch eine einsame, zauberhafte, hochalpine Gegend am oberen Mattwaldbach. Das Gras ist braun, es ist absolut still dort oben. Die Aussicht auf die Berge ist fantastisch. Der Abstieg über weiche, moosige Wiesen zur Alp Färiga und zurück zum Unnere Schwarze Wald ist viel bequemer als der Aufstieg über die Geröllhalde.

Fotos: Andreas Gossweiler

Über agossweiler

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