Suonen im Museum

Die Maison peinte in Botyre

Das Wallis brachte nicht nur eigensinnige Persönlichkeiten wie den Falschmünzer Joseph-Samuel Farinet oder den Hanfbauern Bernard Rappaz hervor, sondern auch ein faszinierendes Bewässerungssystem, das es so in keiner anderen europäischen Region gibt: die Suonen oder Bisses. Da liegt die Idee auf der Hand, diese Walliser Spezialität in einem Museum den Touristen, Wandererinnen und anderen Wallisbesuchern zu zeigen und zu erklären. Am 23. Mai wurde das Musée des Bisses im wunderschönen Maison peinte in Botyre oberhalb Sion eröffnet. Da ich bei der Übersetzung der Internetseite mitgeholfen habe, wollte ich das Museum anschauen.

Das Musée des bisses zeigt die Geschichte der Suonen seit dem ersten Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Spuren eines Kanals bei Pfyn. Das Museum erklärt auch, warum die Pest im 14. Jahrhundert dazu führte, dass die Bauern die Milchwirtschaft intensivierten und dafür mehr Wasser und auch mehr Bewässerungskanäle brauchten. Nach einer Zeit der Stagnation wurden im 19. Jahrhundert wieder neue Bisses gebaut und die bestehenden Kanäle modernisiert. Im 20. Jahrhundert gingen die Bauern dazu über, die Wiesen mit Fontänen zu berieseln, statt sie zu überschwemmen. Je weniger die Bauern darauf angewiesen waren, umso stärker wurden die Suonen zur Attraktion für Touristen.

Das Museum erklärt auch die verschiedenen Baumethoden und zeigt Werkzeuge und Techniken für die Bewässerung. Es zeigt die speziellen Formen der Organisation, die sich um die Wasserleitungen herausgebildet haben, die lange durch Genossenschaften verwaltet wurden, deren Mitglieder zum Frondienst verpflichtet waren. Ohne Mithilfe beim aufwändigen und gefährlichen Unterhalt gabs kein Wasser. Auch die mediale Vermittlung der Bisses ist Thema eines Museumsteils, dazu gehören etwa der populäre Roman «An heiligen Wassern».

Das Museum ist liebevoll eingerichtet, alle wichtigen Themen der Walliser Bewässerung werden dargestellt und erklärt. Neben vielen Texten (nur ein Teil davon auf deutsch übersetzt), Fotos und Objekten zeigt das Museum auch historische Filme und gefilmte Interviews mit Suonenspezialisten wie Armand Dussex. Die Inszenierung ist für meinen Geschmack ein bisschen zu konventionell und zu didaktisch. Die technischen Informationen über die Suonen findet man auch in einschlägigen Büchern. Mit einer kreativen Szenografie könnte man das Thema attraktiver darstellen. Spannend wäre auch, wenn die Museumsgestalter einzelne besonders spannende Suonen im Museum zeigen würden. So könnte man den Museumsbesuchern mehr Lust machen, die Suonen selber anzuschauen und zu erwandern. Diese Lust muss man selber mitbringen: Das Museum unternimmt bisher wenig, um sie bei den Leuten zu wecken, die sie noch nicht spüren.

Weitere Informationen: www.musee-des-bisses.ch

Fotos: Andreas Gossweiler

Über agossweiler

Journalist
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