The Last Silver Train

Anfang der 1930er Jahre erfand die amerikanische Budd Company eine neue Schweisstechnik namens Shot Welding. Damit war es möglich, rostfreies Stahlblech zu schweissen. Mit der neuen Technik baute die Budd Company legendäre Züge wie den Burlington Zephyr, die halfen, den darbenden amerikanischen Eisenbahnen ein neues, frisches Image zu geben. Die Züge waren gebaut aus silberglänzendem, gewelltem Stahlblech.

Auch in Europa wurden einige Züge mit Budd-Technik gebaut, vor allem TEE-Züge in Frankreich und Pariser Vorortszüge. Die französischen TEE-Züge wurden längst ausrangiert und nach Afrika verkauft. Die letzten silbernen Wagen setzen die Österreichischen Bundesbahnen im Euronight-Zug «Zürichsee» auf der Strecke Zürich – Graz ein. Diese Schlafwagen (Typ CIWL P für Insider) wurden 1955 gebaut. Sie gehören der altehrwürdigen Compagnie des Wagons-Lits. Im Sommer 2012 bestand der EN «Zürichsee» sogar aus zwei dieser schönen Schlafwagen, deren Fensterband seit einem Umbau in den 90er Jahren blau lackiert ist. Vermutlich werden diese Wagen nicht mehr lange rollen.

Ein anderer Nachtzug, den man leider bald nicht mehr in Zürich sehen wird, ist der spanische Talgo-Hotelzug «Pau Casals» nach Barcelona. Beim nächsten Fahrplanwechsel im Dezember wird die Verbindung eingestellt. Das meldet die Zeitschrift «Eisenbahn-Amateur.» Das ist sehr schade (um nicht zu sagen: eine riesen Schweinerei). Denn die lange Reise nach Barcelona eignet sich sehr gut, um sie in der Nacht zurückzulegen. Die Fahrt dauert immerhin fast 16 Stunden, und auch mit dem TGV 12 Stunden.

So traurig es ist – die Einstellung des «Hotelzugs» war absehbar. Zurzeit fährt er nur noch dreimal pro Woche (Abfahrt in Zürich am Montag, Mittwoch und Freitag, in Barcelona dienstags, donnerstags und sonntags). Wegen Bauarbeiten in Frankreich fiel er öfters aus. Negative Schlagzeilen lieferte ein Vorfall vor zwei Jahren, als der Hotelzug am 16. August statt nach Zürich in Richtung Mailand fehlgeleitet wurde. Und im Mai 2010 fuhr er laut dem «Blick» ohne Vorwarnung zwei Stunden zu früh in Zürich HB ab. Der Grund für die Einstellung des Hotelzugs ist nicht bekannt. Laut dem Eisenbahn-Amateur wollen die spanischen Staatsbahnen «wegen sinkender Nachfrage» alle Nachtzüge einstellen bezw. an private Anbieter abgeben (falls sich solche finden lassen, was zweifelhaft ist).

Fotos: Andreas Gossweiler

Über agossweiler

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2 Antworten zu The Last Silver Train

  1. Thomas Fehlmann schreibt:

    Unbestätigten Berichten zufolge (Eisenbahn-Revue 9/12) liegt der Grund für die Einstellung in Italien. Dort verlangt neu das Eisenbahnamt, dass alle Türen mit Schliessmechanismus versehen sein müssen. Deswegen fährt auch der Trenhotel Torino-Reggio di Calabria mit nicht mehr benötigten spanischen Nachtzügen nicht. Da der Zürcher mit dem Mailänder Trenhotel gekoppelt wird, trifft ihn nun auch das Aus, obwohl der Zug nach wie vor sehr nachgefragt ist und ein Datum für die Eröffnung des AVE Barcelona-Figueras immer noch nicht fixiert ist. Bestimmt nicht auf den Fahrplanwechsel 2012/13 werden direkte TGV Genf mit Barcelona verbinden, sodass 2013 nur eine mühsame 8 bis 9-stündige Umsteigefahrt Genf-Barcelona als Ersatz angeboten werden kann.

    Allerdings gelang es mir bisher nicht, weder von der SBB noch von Elipsos, eine Bestätigung der definitiven Einstellung des Nachtzugs zu bekommen. Die Eisenbahn-Revue hat die Einstellungsnachricht allerdings ebenfalls als feststehende Tatsache publiziert, mit Titelbild auf der Ausgabe 10/12.

    • agossweiler schreibt:

      Danke für die Information, das ist interessant. Die Begründung für das Aus klingt einigermassen absurd und erstaunlich. Ich möchte ja nur zu gerne glauben, dass die Einstellung des Nachtzugs nach Barcelona keine feststehende Tatsache ist. Als Alternative zum Nachtzug würde ich die bewusste Verlangsamung vorschlagen: Mit dem Regionalzug das Rhonetal hinabgondeln, in Avignon oder Nîmes übernachten, am nächsten Tag weiter zur spanischen Grenze und dort umsteigen auf die spanische Bahn, so wie vor 100 Jahren. Macht auch Spass so.

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