Nachdenken über einen zerbrochenen Teller

Paul Valérys Spezialität war das unermüdliche Nachdenken übers Denken. Für ihn war keine Erscheinung selbstverständlich – auch nicht ein zerbrochener Teller. Valéry stellte sich vor, was jemand denken würde, der die beiden Bruchstücke sieht, aber nicht weiss, dass sie vorher ein Ganzes waren:

«Fügt man sie wieder zusammen, verbinden sie sich so genau, dass das Ganze wieder intakt erscheint. Wenn nun einer nur das Zusammenfügen miterlebt hätte – was würde der von der erstaunlichen Reziprozität der Bruchformen denken? Und wenn er davon überzeugt wäre, die beiden Stücke seien einzeln, zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten geformt worden – wie würde er sich der Empfindungen erwehren, mit denen dieses wunderbare Zusammentreffen seinen Geist rühren muss?»

Paul Valéry: «Ich grase meine Gehirnwiese ab», Eichborn Verlag 2011, S. 182

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