Hinosx Agenda – die schönste Agenda der Welt

Anfangs der neunziger Jahre kaufte ich in einer Buchhandlung in Amsterdam ein paar Agenden. Das holländische Grafikdesign war damals im internationalen Vergleich besonders kreativ, schräg, ausgeflippt. Eine dieser Agenden gefiel mir besonders gut. Nicht weil sie besonders ausgeflippt war. Eher aus dem gegenteiligen Grund:  Weil sie genau das hatte, was eine Agenda haben muss – nicht mehr und nicht weniger: Viel Platz für Termine, alles äusserst geschmackvoll und reduziert gestaltet. Daten, Wochentage, dazwischen zwei punktierte Linien. Mehr brauchts nicht. Dazu ein eingelegtes dünnes Blatt mit den Feiertagen, und drumherum ein Einband mit feinem schwarzem Stoff und eingeprägtem Jahrgang. Kurz: die perfekte Agenda. Ihr Name: Hinosx. Weil sie mir so gut gefiel, bestellte ich sie im nächsten Jahr beim Zürcher Buchhändler Krauthammer. Auch Herr Krauthammer fand Gefallen an der Hinosx-Agenda. Er nahm sie ins Sortiment auf, und fortan musste ich sie nicht mehr extra bestellen. Als die Buchhandlung Krauthammer vor ein paar Jahren von Orell Füssli geschluckt wurde, befürchtete ich das Schlimmste. Ohne Hinosx-Agenda konnte ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen. Diese Agenda macht sich so gut auf dem Tisch, sie liegt so angenehm in der Hand, dass ich nie mehr eine andere Agenda benützen möchte. Doch glücklicherweise übernahm auch Orell Füssli die Hinosx-Agenda ins Sortiment. Bis heute ist sie jedes Jahr in der Design-Abteilung von Orell Füssli erhältlich. Dank Herrn Krauthammer. Und dank mir. Dieses Jahr ist ein besonderes Jahr für die Hinosx-Agenda. Sie sieht zwar genau gleich aus wie immer. Zum Glück. Aber auf der Rückseite des Feiertag-Blattes schreibt der holländische Gestalter Wout Jonker in einer fast unlesbar kleinen Schrift: This year, it is the thirtieth time that I, Wout Jonker, have published the Hinosx diary… Weiter teilt uns Jonker mit, warum er 1980 eine Agenda entworfen hatte: I was looking to buy a diary and had already browsed in stationery and office supplies stores, book stores and department stores. The offer I found there mainly consisted of stuffed, obtrusive, inaccessible and ugly diaries. None was to my liking, so I decided to design a diary of my own. Als Designstudent machte er aus dem Projekt seine Diplomarbeit. Leider, für mich unverständlich, hatten nicht alle Freude daran: Some of the teachers disapproved of my radical approach and so, in 1981, I failed my exam… Gleichzeitig kauften 50 Leute seine Agenda. Ein halbes Jahr später bestand Jonker die Abschlussprüfung dann doch noch. Wouters machte sich nach der Ausbildung selbständig und produzierte gleich die nächste Auflage seiner Agenda. Eine kleine Hommage an die Schweizer Kunden findet sich in Wout Jonkers diesjährigem Textblättchen: In 1993, the diary, which at that time was only published in Dutch, had already been bought by clients in Germany and Switzerland. Yessir! Der nächste Satz in Wout Jonkers Text ist ein Zitat von mir. Etwa vor zehn Jahren teilte ich Jonker meine Begeisterung über seine Agenda mit. Er hat mein Mail aufbewahrt und zitiert daraus auf der Rückseite des Feiertagsblattes der Hinosx-Agenda 2012: I sometimes receive very personal and heartwarming responses, e.g.: ‚Yesterday I bought the new Hinosx Agenda, as I do every year… I bought my first Hinosx Agenda about twenty years ago. That year I purchased four or five different Dutch diaries in a bookshop in Amsterdam. All were quite beautiful, but the Hinosx Agenda had ‚that special something‘ so I decided to use it and gave the others away. Immediately I fell in love with it.‘ Hinosx Agenda 2012, erhältlich bei Orell Füssli (Design-Abteilung 3. Stock), ca. Fr. 20.– Foto: Andreas Gossweiler

Update: Orell Füssli führt die Hinosx-Agenda leider nicht mehr im Sortiment. Man kann sie aber bestellen bei der Buchhandlung Athenaeum in Amsterdam.

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